
4 Rollenharrier
Was isses?
Rollenflug mit 20-85 Grad Anstellwinkel.
Überlegungen zum Rollenharrier
Wie macht man's?
Das System ist dasselbe wie beim Rollenflug, nur dass sie hier zwischen Harrierfluglagen wechseln und vor allem am Höhenruder entsprechend mehr hebeln müssen.
Hinweise
Ist der Messerharrier mit ihrem Modell nicht oder nur stark eingeschränkt fliegbar, dann wird auch die Vierpunkt-Harrierrolle nicht funktionieren. Verkürzen sie in diesem Fall die Messerflugteile der Vierpunktrolle soweit, dass trotz leichtem Absacken des Modells der nachfolgende Übergang in den Flächenharrier noch ordentlich funktioniert.
Mit einem Messerharrier-fähigen Modell können sie auch die Endlosharrierrolle beliebig langsam fliegen. Bei einem nicht-Messerharrier-fähigen Modell ergibt sich zwangsläufig eine minimale Rollgeschwindigkeit, bei der sie die Endlos-Harrierrolle noch einigermassen gerade fliegen können.
4.1 Ebener Rollenharrier mit 50-60 Grad Anstellwinkel
STP
Der Anstellwinkel liegt hierbei über dem mittleren Anstellwinkel.
Übung 1: Fliegen sie im Harrier eine Vierpunktrolle. Fliegen sie die geraden Strecken dabei solange, bis sie das Modell in der entsprechenden Fluglage stabilisiert haben (mind. 2 Sek./Fluglage) und gehen sie dann mit einer Viertelrolle weiter. Machen sie die Wechsel zwischen den einzelnen Fluglagen nicht zu schnell, die Querruderreaktion kommt harriertypisch verzögert, und bei QR-Vollausschlag nach einer Viertelrolle sauber abzubremsen ist für den Anfang definitiv zu anspruchsvoll.
Übung 2: Fliegen sie die Vierpunkt-Harrierrolle halbwegs geradeaus.
Übung 3: Machen sie die geraden Strecken der Vierpunkt-Harrierrolle alle gleich lang.
Übung 4: Fliegen sie eine Endlos-Harrierrolle, Rollgeschwindigkeit 5-10 Sekunden pro Rolle.
Übung 5: Erhöhen sie die Rollgeschwindigkeit schrittweise auf 2 Sekunden/Rolle
Übung 6: Fliegen sie Rollenkreise mit mehreren Rollen/Kreis.
Übung 7: Fliegen sie die engstmöglichen Rollenkreise, bei denen die Modelldrehung um die Längsachse gerade noch rund ist.
BFP
Der Anstellwinkel liegt hierbei über dem mittleren Anstellwinkel.
Übung 1: Markieren sie auf dem Boden einen Punkt (in Echt z.B eine Stange, im Sim ein zweites Modell) und fliegen sie Rollenkreise, mit diesem Punkt als Mittelpunkt. Halten sie dabei die Rollgeschwindigkeit und die Flughöhe konstant und steuern sie Störungen, (Wind, Timingfehler etc.) so gut wie möglich aus. Fliegen sie diese Übung so lange, bis sie das Modell um den Punkt dirigieren können, ohne dabei an irgendwelchen Steuerschemen herumüberlegen zu müssen.
Übung 2: Fliegen sie Rollenachten, der Mittelpunkt der Acht liegt über dem Markierten Punkt am Boden. Trainieren sie auch hier so lange, bis sie die Acht ohne zu überlegen fliegen könnnen.
Übung 3: Fliegen sie Übung 1 und Übung 2 erneut, und schauen sie dieses Mal auf den Schatten des Modells und behalten sie das Modell selbst lediglich im Augenwinkel.
Übung 4: Fliegen sie Übung 1 und 2 erneut, und schauen sie dieses mal auf den Markierten Mittelpunkt des Kreises/Der Acht und behalten sie das Modell im Augenwinkel.
Übung 5: Fliegen sie die Einheitsschlaufe im Rollenharrier, die Gerade Strecke platzieren sie oberhalb einer Geraden auf dem Boden, die Wendepunkte markieren sie ebenfalls auf dem Boden.
Tipps
Beim Rollenharrier, speziell in Kurven, neigt man dazu, in ein flaches, stampfendes "um-die-Ecke-prügeln" des Modells zu verfallen. Folgende 4 Tricks bieten hier abhilfe:
1. Verzögerung beachten: Der Rollenharrier ist eine 3D-Fluglage, das Modell reagiert entsprechend verzögert auf die Rudereingaben. Wenn sie im Rollenharrier etwas am Steuerschema ändern kommt die änderung erst ca. eine Achteldrehung später beim Modell an! Denken sie also bei Korrekturen immer eine Achtel- bis Vierteldrehung voraus.
2. Klickschema Beachten: Oft steuern sie die HR- und SR-Korrekturen zu langsam. Achten sie in diesem Fall bewusst aufs Klickschema. Sie werden sich wundern wie ihr vor 2 sekunden noch bockiges modell plötzlich um die Kurven wieselt.
3. Ausschläge Synchron steuern: Höhen- und Seitenruder sollten sie in Beide RIchtungen ungefähr gleich weit ausschlagen. Wenn sie eine ruderrichtung deutlich bevorzugen (Höhenruder geben die Meisten leute meist deutlich beherzter als tiefenruder...) dann erhalten sie ein unruhiges, kreiselförmiges herumgerühre des Rumpfes.
4. Anstellwinkel konstant halten: Im Harrier ändern sich je nach anstellwinkel Ruderwirksamkeit und Flugverhalten, sorgen sie daher dafür, das sie im Rollenharrier den Anstellwinkel konstant halten.
4.2 Ebener Rollenharrier mit 30 Grad Anstellwinkel
Der Anstellwinkel liegt hierbei unter dem mittleren Anstellwinkel.
Wiederholen sie hier die Übungen aus dem STP/BFP Rollenharrier mit 50-60 Grad Anstellwinkel, diesmal jedoch mit 30 Grad Anstellwinkel.
4.3 STP/BFP vertikale Rollfiguren
Übung 1: Steigen sie aus dem Torquen langsam rollend nach oben weg, etwa mit der Geschwindigkeit und der Rollrate, die die im ebenen Rollenharrier auch haben und halten sie die senkrechte Flugbahn so gut wie möglich.
Übung 2: Fliegen sie mit maximal bremsendem Propeller rollend senkrecht nach unten und halten sie die senkrechte Flugbahn so gut wie möglich.
Übung 3: Fliegen sie 30-, 45- und 60-Grad Steigflüge, Rollgeschwindigkeit und Fluggeschwindigkeit gleich wie beim ebenen Rollenharrier. Irgendwo zwischen 30 und 70 Grad (je nach Flächenbelastung und Fluggeschwindigkeit) kommt der Punkt wo sich die Strömung wieder teilweise oder vollständig an den Tragflächen anlegt, sie also im Prinzip normalen Rollenflug fliegen.
Übung 4: Fliegen sie 20 Grad-Sinkflüge, Rollgeschwindigkeit und Fluggeschwindigkeit entsprechend dem ebenen Rollenharrier.
Übung 5: Schrauben sie den Winkel der Sinkflüge jetzt langsam hoch. Irgendwann kommen sie an den Punkt, wo das "schwächere" Heck-Ruder (in fast allen Fällen das Seitenruder) an den Anschlag kommt. Der dazugehörige Sinkwinkel ist der maximal mögliche Sinkwinkel, den sie ohne Anstellwinkelschwankungen fliegen können.
Übung 6: Fliegen sie, ausgehend vom Harrierrollenkreis, eine Schraubenbewegung nach oben, zuerst mit 30, dann mit 45 und 60 Grad Steigwinkel.
Übung 7: Fliegen sie, ausgehend vom Harrierrollenkreis, eine Schraubenbewegung nach unten, zuerst mit 20 Grad Sinkwinkel. Wenn das klappt können sie den Sinkwinkel langsam bis zum maximal möglichen Sinkwinkel erhöhen.
Übung 8: Fliegen sie Harrierrollenloopings. Da das Modell beim senkrechten Abwärtsflug entsprechend beschleunigt, kommen sie unten meistens im Rollenflug und nicht mehr im Rollenharrier raus. Trainieren sie hier folgende Varianten:
- Setzen sie unten gleich den nächsten Rollenharrierlooping an, lassen sie das Gas aber solange niedrig, bis sie (irgendwo im Steigflugteil des Loops) wieder auf Rollenharriergeschwindigkeit abgebremst haben.
- Bremsen sie das Modell im letzten Viertel des Loopings durch schnelle, harte Höhen/Tiefenruderausschläge ab. Der Harrierrollenlooping wird dann im letzten Viertel nicht mehr ganz rund, versuchen sie aber, diese Abweichung so gering wie möglich zu halten.
- Fliegen sie am untersten Punkt geradeaus weiter, gehen sie auf der Geraden wieder in den Rollenharrier und starten sie dann den nächsten Rollenharrierloop. Am obersten Punkt müssen sie dann ebenfalls eine solche gerade Strecke einbauen, damit sie mit der Gesamtfigur am gleichen Fleck bleiben.
Übung 9: Starten sie im Rollenharrierlooping und fliegen sie eine seitliche Schraubenbewegung.
Übung 10: Fliegen sie die engstmöglichen Schrauben und Loopings in den verschiedenen Varianten.
4.4 Vertikaler Rollenflug
Übung 1: Fliegen sie Rollenachten und Rollenketten.
Übung 2: Fliegen sie engstmögliche Rollenachten und Rollenketten.
Übung 3: Fliegen sie die senkrechte Einheitsschlaufe im Rollenharrier. Nach der senkrechten Abwärtspassage "Nasevoran" müssen sie das Modell zuerst mit schnellen harten HR-Bewegungen zum Abriss überreden bevor sie es im Rollenharrier abfangen können.
4.5 Weitere BFP-Übungen
Viele der Übungen aus dem BFP Flächenharrier und BFP Messerharrier können sie auch rollenderweise fliegen.
Sinken heckvoran
Wichtige Vorbemerkung:
Wenn das Modell im Sinken heckvoran zu schnell wird klappt es ihm die Ruder um, dadurch werden die Anlenkungen abgerissen und das Modell stürzt unsteuerbar ab. Einzig bei Schaummodellen mit entsprechend elastischen Rudern/Anlenkungen besteht eine gewisse Chanche dass die Anlenkungen das Umklappen überleben, meine Yak 55 Nr.3 hat sowas z.B. mal beschädigungsfrei überstanden (ich würds allerdings nicht nochmals machen
...).
Bei günstigen Modellen (Shockflyer) können sie Übung 1 einfach mal ausprobieren.
Bei allen anderen Modellen sollten sie sich vorher erkundigen, ob die Motorleistung reicht und ob man das Modell im Fall der Fälle mittels Höhen/Tiefenruder wieder aus dem Sinken bekommt. Falls nicht, dann sollten sie sich das Sinken heckvoran verkneifen.
Sinken sie auch bei Modellen mit genügend Motorleistung nicht zu schnell, sonst droht auch hier der "Umklapper".
Übung 1: Starten sie in genügend Sicherheitshöhe im Torquen und nehmen sie das Gas zurück, so dass das Modell rückwärts nach unten sinkt. Fangen sie mit einer geringen Sinkgeschwindigkeit an, sobald sie sie kontrollieren können steigern sie die Sinkgeschwindigkeit langsam. Ab einem gewissen Punkt (je nach Auslegung des Modells bereits ab einem Sinken von 1/4 Modellänge/Sekunde) reisst die Strömung am Propeller ab. Dies macht sich durch ein lautes, flatterndes und dröhnendes Geräusch und einen Schubeinbruch um ca. 30 Prozent bemerkbar. Drehen sie in diesem Fall sofort das Gas soweit auf, dass sie die Sinkgeschwindigkeit halten können. Es kann ihnen dabei im Extremfall passieren, dass sich die Strömung beim Gasgeben am Propeller wieder anlegt, und das Modell mit einem entsprechenden Ruck angehalten wird. In diesem Fall müssen sie das Gas wieder reduzieren.
Um das Sinken des Modells nach Abriss der Propellerströmung zu stoppen benötigt das Modell extrem viel Motorleistung. Wenn sie nach dem Gasgeben merken das die Leistung zum Stoppen nicht reicht, dann geben sie sofort Höhen-/Tiefenruder und befördern sie ihr Modell so aus dem senkrechten Sinken heraus.
Übung 2: Wenn ihr Modell genügend Leistung hat, um das Sinken auch bei abgerissener Propellerströmung zu stoppen und den Sinkflug auch sicher aushält dann können sie das Sinken heckvoran in den Rollenharrierlooping einbauen: Fliegen sie die Steigpassage des Loopings ganz normal, in der Sinkpassage sinken sie dann heckvoran statt nasevoran.
Wo hängts?
Die Höhen- und Seitenruderausschläge sind beim Rollenharrier sehr gross und pendeln zusätzlich mit recht hoher Frequenz zwischen den beiden Ausschlagsseiten hin und her. In dieser Umgebung ist es sehr anspruchsvoll, Timing und Präzision aufrecht zu erhalten.
Bei Timingfehlern im Rollenflug gibts eine krumme Flugbahn, bei Timingfehlern im Rollenharrier gibts von Abkippern über Überschläge und dem Herauskippen aus der Figur bis zu gerissenen Rollen die ganze Palette fliegerischer Ekligkeiten.
Bei langsamen Harrierrollen legt sich in den Messerfluglagen die Strömung an den Tragflächen kurzzeitig wieder an, daraus resultiert eine wesentlich bessere Querruderwirkung im Messerflug, Harrierrollen mit konstantem Querruderausschlag werden daher entsprechend eierig.
Wenn man im Rollenflug einen Fehler macht hat man meistens noch genügend "Reserveausschlag" am entsprechenden Ruder, um den Fehler wieder auszubügeln. Beim Rollenharrier hat man im Geradeausflug nur noch sehr wenig reserve, bei engen Kurven meist überhaupt keine mehr, so dass man Fehler nur noch schwer aussteuern kann.
Tipps
Wenn sie Stress mit dem Steuerschema bekommen und ihnen die Maschine anfängt zu eiern, dann reduzieren sie die Rollgeschwindigkeit und achten sie aufs Klickschema.
Geben sie bei ihren ersten Rollenharrierversuchen etwas zu viel Gas, so dass sie leicht wegsteigen. Das vereinfacht die Figur.
| Änderungen an dieser Seite |

Fabian Günther