
6 Wie lerne ich fliegen?
Hier habe ich die verschiedenen Möglichkeiten schon mal kurz angesprochen. Es sind dies:
- Try and Error
- Hocharbeiten
- Lehrer-Schüler
- Simulator
Try-And-Error
Ok, da tun sie sich wirklich was an. Und wenn sie nicht gerade ein schier unzerstörbares EPP-Modell haben werden sie bei dieser Methode massiv mehr bauen als fliegen, der Einstieg zieht sich dadurch schier endlos in die Länge. Ganz abgesehen davon, dass dabei auch der motivierteste Einsteiger auf halber Strecke frustriert aufgibt.
Falls sie jetzt sowas wie "Aber ich bin so motiviert, ich bin stark, ich schaff das auch so, aus Fehlern lernt man schliesslich, scheitern macht stark!" denken: Das Argument, die ständigen Abstürze am Anfang hätten für später einen positiven Effekt und man müsse das als "richtiger" Modellbauer mal erlebt haben, und überhaupt, alle die das nicht erlebt haben haben was verpasst, hört man recht häufig. Meine ganz persönliche Meinung dazu: Nein, das muss man nicht erlebt haben, der Lerneffekt ist ein Gerücht, der Ego-Effekt ("Ich habe mir meinen Erfolg hart erarbeiten müssen") ist zwar da, aber hey, den Effekt gibts auch beim regelmässigen Kunstflugtraining, und das ohne Abstürze. Das Einzige was man bei der Try-and-error-Methode zusätzlich lernt ist reparieren, aber diese Fähigkeit erwirbt man sich auch in einer Modellflugkarriere mit bruchfreiem Einstieg. Einfach über einen wesentlich längeren Zeitraum verteilt
.
Hocharbeiten mit Dummys
Ich muss ehrlich sagen, ich habe derartige "narrensichere" Modelle bisher noch nicht fliegen sehen. Ich kann mir aber durchaus vorstellen das man sowas bauen kann. Das sähe dann nicht zwingend aus wie ein Flugzeug, auch elektronische Stabilisierungen (vor allem um die Querachse) wären eine Option. Die Modellreihenfolge könnte etwa so verlaufen:
- Das erste Modell kennt beim Motor nur ein (= hoch) und aus(= runter). Die Übergänge sind (wie auch immer) so gestaltet, dass kein Pumpen auftritt. Der Einsteiger steuert proportional links-rechts, das Höhenruder passt sich automatisch an. Wenn er alle Knüppel loslässt gleitet das Modell gerade (oder in einer leichten Kurve) zu Boden. Dieses Modell dient zum Erlernen der links-rechts-Koordination.
- Das zweite Modell hat zusätzlich eine eingeschränkte Höhenruderfunktion, so dass man zwar Steig- und Sinkwinkel variieren kann, diese aber begrenzt sind, so dass man damit trotzdem noch keinen Einschlag hinbekommen kann.
- Der nächste Schritt wäre dann ein voll steuerbares Einsteigermodell.
Ein Produkt in diese Richtung des ersten Modells sind X-Twin und Konsorten
. Diese basieren auf relativ narrensicherem Flugverhalten und vor allem auf einer crashresistenten (da kleinen und leichten) Zelle.
Vor der Zeit der Modellflugsimulatoren hatte der Weg des Hocharbeitens noch eine gewisse Berechtigung, denn ein Fluglehrer ist gerade für den Einsteiger ohne jegliche Kontakte schwer zu finden. Heutzutage gibts die für die, die ohne fremde Hilfe einsteigen wollen die fürs Flugtraining ausreichenden Flugsimulatoren gratis
(z.B. den FMS
), zur Steuerung reicht ein simpler Zweiachs-Joystick.
Sowohl vom Finanziellen wie auch vom Zeitaufwand her ist das Simulatorkonzept dem Hocharbeitenkonzept heute haushoch überlegen. Von dem her, wenn man alleine einsteigen will, dann ist der Simulator die bessere Lösung.
Lehrer-Schüler, Simulator
Ich neme diese beiden Methoden ganz bewusst zusammen, da sie sich z.T. doch sehr stark überschneiden. Bei beiden können sie mit einem bereits recht leistungsfähigen Modell einsteigen, welches genügend Potential hat, sie über Monate zu beschäftigen. Auch ersparen ihnen beide Varianten das Reparieren nach dem Abstürzen.
Unterschiede zwischen den zwei Methoden gibts im Wesentlichen zwei:
1. Bei der Lehrer-Schüler-Methode wird das reparieren dadurch verhindert, dass die Abstürze verhindert werden. Bei der Simulatormethode stürzen sie zwar ab, der Simulator übernimmt aber das Reparieren für sie. Im Simulator kommen sie daher recht häufig Grenzsituation vor dem Aufschlag, bei Lehrer-Schüler-Fliegen im besten Fall nie.
2. Mit der Panik vor dem echten Modell (man bewegt doch ein hübsches Sümmchen durch die Luft) sowie die weichen Knie und die zitterigen Hände lernt man beim Lehrer-Schüler-Flug von Anfang an umzugehen, beim Simulator-Flug kommt der grosse Brocken beim Erstflug in Echt.
- Der Vorteil am Abstürzen am Simulator ist der, dass sie ihr Verhalten und das Modellverhalten kurz vor dem Einschlag recht intensiv studieren können. Es besteht dabei aber auch die Gefahr, dass sie sich das ständige Abstürzen oder das Fliegen mit hohem Risiko angewöhnen und dann ihr erstes echtes Modell dann aus reiner Gewohnheit erstmal versenken.
- Die Möglichkeit, am Simulator unabhängig von Tageszeit und Wetter beliebig Flugstunden fressen zu können ist neben dem schadlosen Absturz wohl seine grösste Stärke, der fehlende Umgang mit der Flugangst sein grösster Nachteil.
- Bei der Lehrer-Schüler-Methode ists mit den Vor- und Nachteilen genau umgekehrt.
- Beim Fliegen mit einem Fluglehrer hat der Schüler wie schon erwähnt den weiteren Vorteil, dass er direkt Analysen, Tipps, Kritik und Verbesserungsvorschläge zu seiner Flugweise vom Fluglehrer bekommt. Ausserdem sieht der Fluglehrer falsche Steuergewohnheiten viel früher als der Schüler und kann auch entsprechend früh gegensteuern. Diese Art des "interaktiven" Unterrichts ist extrem wertvoll.
Als Optimum fürs Fliegenlernen betrachte ich eine Kombination der Elemente Fluglehrer, Lehrer-Schüler-Training, Simulatortraining und Eigeninitiative:
- Aneignen der Grundlagen in Schriftlicher (diese Webseite
) oder mündlicher (vom Fluglehrer) Form. - Trainings am Flugsimulator mit einem Fluglehrer, der einen unterstützt und einem dabei Tipps gibt.
- Die ersten Flüge in echt im Lehrer-Schüler-Modus.
- Weitere Flüge und Simulatortrainings je nach Bedarf mit Lehrer/Modellflugkollege oder ohne.
Die pure Lehrer-Schüler-Methode geht auch:
- Aneignen der Grundlagen in mündlicher (schriftlicher) Form.
- Lehrer-Schüler-Training in echt
- Weiteres Training je nach Bedarf alleine oder mit dem Fluglehrer.
Der Einstieg ohne Fremde Hilfe mittels Flugsimulator ist der Dritte im Bunde:
- Aneignen der Grundlagen in schriftlicher Form
- Simulatortraining
- Umstieg auf das echte Modell mit kurzer Hilfe eines erfahrenen Piloten
- Weiteres selbstständiges Training am Sim wie in echt.
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Fabian Günther