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3 Das Bewegungsmuster beim Steuern eines Modellflugzeuges
Die Steuerung eines Modellflugzeuges ist ein recht komplexes Bewegungsmuster:
- 1. Sie müssen die Fluglage des Modells relativ zum Boden korrekt erkennen.
- 2. Sie müssen die Lage des Modells im Raum (= der genaue Ort wo es sich gerade befindet) einschätzen können.
- 3. Sie müssen das Modell um die Querachse mit dem Höhenruder und um die Längsachse mit dem Querruder ruhig halten und eventuelle Störungen der Flugbahn ausgleichen.
- 4. Sie müssen die Tatsache, dass das Modell seine Lage zu ihnen ständig ändert und daher manchmal Ruderfunktionen vertauscht scheinen, kompensieren.
- 5. Die Kurve ist ein recht komplexes Zusammenspiel aus Höhen- und Querruder, einfach mal Querruderknüppel ins Eck läuft hier nicht.
- 6. Sie müssen das Das Geschwindigkeitsmanagement, vor allem das Einhalten der Mindestgeschwindigkeit, im Griff behalten.
- 7. Sie müssen das Modell in ihrer Nähe halten, die Flughöhe halten und die Landebahn treffen.
- 8. Sie müssen in etwa wissen wieviel Energie noch im Akku ist und wann sie landen müssen.
Erst wenn sie alle diese Punkte GLEICHZEITIG schaffen überstehen sie einen Flug bruchfrei. Das tönt jetzt nach verdammt viel, ist es auch:
- Punkt 1: Anfangs geht das stur nach dem "What you see is what you get"-Prinzip, mit allen dazugehörigen Nachteilen, z.B. dem Kontrollverlust beim Fliegen gegen die Sonne. Mit zunehmender Übung bastelt sich ihr Kopf jedoch aus dem Wissen um die bisherige Flugbahn, der Analyse der Modellreaktionen auf die momentanen Ruderkommandos sowie den optischen Informationen die richtige Fluglage zusammen. Je konzentrierter sie fliegen und je besser sie die gerade geflogene Figur beherrschen desdo weniger optische Informationen benötigen sie, um die Fluglage richtig einschätzen zu können. Den Grossteil dieser Fähigkeit werden sie (wohl oder übel
) in den Grundlagen erlernen, sie verfeinert sich aber auch später laufend weiter. - Punkt 2: Hier gibts nichts aktiv zu wollen, der kommt von ganz alleine. Diese Fähigkeit entwickelt sich langsam, klammheimlich und über Jahre hinweg.
- Punkt 3: Im Bauch- und Rückenflug fliegt das Modell neutral bis eigenstabil, im Messerflug teilweise neutral und im Harrier und der Torque-Rolle kaum mehr. Bei allen Fluglagen müssen sie permanent mit allen Funktionen Ausgleichsbewegungen steuern, damit das Modell in der entsprechenden Fluglage bleibt. Diese Ausgleichsbewegungen fallen im Bauch- und Rückenflug noch relativ bescheiden aus und sind auch recht schnell erlernt, der Messerflug wird schon ekliger und im Harrier/Torque-Rolle werden sie einige Zeit trainieren bis das klappt. Dieses Stabilisierungsprogramm wird in ihrem Bewegungsgedächtniss abgelegt wird bei der entsprechenden Figur aufgerufen (bei schnellen Übergängen und nervösen Piloten sieht man diesen Stabilisierungsprogrammwechsel recht deutlich
. Das Stabilisierungsprogramm ist Voraussetzung für Punkt 8. - Punkt 4: Den sollten sie entweder am Simulator oder im Lehrer-Schüler-Modus vollständig abhaken. Die Anpassung dieser Fähigkeit auf die darauf folgenden Figuren ist dann kein unüberwindbares Hindernis mehr geschieht grösstenteils unbewusst. Das Verknüppeln beim "auf-sich-zufliegen" ist ein Klassiker, der führt anfangs zu heftigen Verknüpplern beim Querruder/Seitenruder. Die meisten Einsteiger sind hier die ersten paar Flugminuten lang chanchenlos.
- Punkt 5: ist die schwierigere Variante des Flächenfluges. Ein Grossteil der Einsteiger hat anfangs Mühe, die Geschwindigkeit und die Schräglage in der Kurve zu halten. Meistens enden die ersten Kurven in einem Spiralsturz oder in einem Strömungsabriss.
- Punkt 6: Bei Shockflyern kein Problem, da fliegt man eh meistens deutlich über der Mindestgeschwindigkeit und wenn man sie doch mal unterschreitet, folgt meist ein sehr dezentes Durchsacken. Grössere Modelle fallen beim Strömungsabriss dagegen regelrecht vom Himmel, hier braucht es viel Zeit bis man ein Gefühl für die Warnsignale vor dem Strömungsabriss ("Weichwerden" auf den Rudern) entwickelt hat und instinktiv richtig reagiert. Ein Weiteres Problem ist der unfreiwillige senkrechte Sturzflug, sobald der Einsteiger über sich drüber fliegt. Ich weiss auch nicht genau wo das herkommt, aber bisher haben das alle meine Einsteiger gemacht.
- Punkt 7: stellt ihre Fähigkeiten von Punkt 3 auf eine harte Probe. Denn erst wenn sie am Stabilisieren der Fluglage nichts mehr herumüberlegen muss können sie ihr Modell wirklich auf gewollten Bahnen bewegen.
- Punkt 8: Auch das ist eine Frage des Gefühls, je mehr Erfahrung man hat, desdo früher merkt man, wenn die Leistung kurz vor dem Leerwerden des Akkus nachlässt.
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Fabian Günther