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2 Verschiedene Bewegungslernprozesse

Das Modellfliegen zu erlernen bedeutet, eine grundlegend neue Bewegungsform zu erlernen. Diese Situation hatten sie schon ein paar Mal, z.B. als sie Laufen, Schwimmen oder Fahrradfahren gelernt haben. Und sie wissen ja selber dass jedes Kind, welches das Laufen lernt, anfangs andauernd hinfällt. Und ihre ersten Schwimmversuche konnte man mit viel Optimismus als "nicht untergehen", aber sicher nicht als "schwimmen" bezeichnen. Und beim Fahrradfahren wären sie ohne die Stützräder wohl noch viel ofter auf der Nase gelegen. All diese Bewegungsmuster haben sie dadurch gelernt dass sie Bewegungen ausprobiert haben, dabei Fehler gemacht und aus diesen gelernt haben. Und beim Fliegenlernen wird ihnen das nicht anders gehen.

Die oben aufgezählten Beispiele unterscheiden sich in einem Punkt ganz wesentlich: Beim Laufen und Fahrradfahren kann man Hinfallen. Dabei genügt es, wenn die Koordination schon für einige Zehntelssekunden versagt, ein paar Zehntelssekunden später liegt man auf der Nase. Das Hinfallen lässt sich meistens einem einzigen Bewegungsfehler zuordnen. Wenn man hingegen beim Schwimmen mal den Kopf unter Wasser hat stört das nicht, wenn man aber länger unter Wasser ist besteht die Gefahr des Ertrinkens. Um den Kopf aber länger unter Wasser zu haben muss die Koordination schon für eine recht lange Zeit versagen, das Unterwasserbleiben ist dann auf eine grosse Summe von Bewegungsfehlern zurückzuführen.

Um den Schaden beim Erlernen von Laufen, Fahrradfahren und Schwimmen möglichst gering zu halten hat der Mensch eine ganze Reihe Schutzmechanismen entwickelt:

  • Das Hinfallen beim Laufenlernen stört ein Kleinkind in den meisten Fällen nicht, sein Körper ist so gebaut dass er das ohne grosse Probleme (ab und zu mal ne Schürfung) aushält.
  • Beim Fahrradfahren wirds schon kritischer, da können Stürze schon ordentlich ins Auge gehen. Mittels Stützrädern, Fahrradhelm und ev. Knie- und Ellbogenschonern kann man aber auch hier die Sturzwahrscheinlichkeit deutlich senken bzw. die Folgen eines Sturzes deutlich abmildern.
  • Beim Schwimmen gibts Schwimmflügel und/oder einen Helfer, der nebenher schwimmt und das Kind bei drohendem Untergehen wieder aus dem Wasser fischt.

Modellflug bewegt sich irgendwo zwischen Schwimmen und Laufen/Fahrradfahren. Genügend Sicherheitshöhe und ein stabiles Modell vorausgesetzt, kann ein einzelner Steuerfehler nichts ausrichten, eine Aneinanderreihung von vielen Steuerfehlern führt dagegen zum Absturz. Die Modelle ertragen die Folgen eines Absturzes jedoch meist deutlich weniger gut als ein Kind die Folgen des Hinfallens. Hilfen wie z.B. Schwimmflügel oder Stützräder gibt es im Modellflug in Form von eigenstabilem Flugverhalten des Modells, aber diese Hilfe ist nie so effektiv wie z.B. die Schwimmflügel.
Dadurch, dass im Modellflug (genügend Sicherheitshöhe vorausgesetzt) immer eine Aneinanderreihung von Steuerfehlern für einen Absturz nötig ist, funktioniert aber das zweite Konzept vom Schwimmen hervorragend: Dem Helfer, der neben dem Kind herschwimmt und es bei Bedarf wieder an die Oberfläche zieht entspricht im Modellflug ein erfahrener Pilot, der via Lehrer-Schüler-Kabel im Zweifelsfall die Kontrolle über das Modell übernimmt. Die "Try-and-Error"-Methode im Modellflug kann man dagegen wohl am ehesten mit dem Laufenlernen auf einem Scherbenhaufen oder dem Fahrradfahren ohne Stützräder und Helm auf Asphalt vergleichen [irr].
Das Training am Simulator (ok, das Beispiel ist jetzt etwas konstruiert) sähe beim Schwimmen etwa so aus: Man verpasst dem Schwimmschüler ein Sauerstoffgerät sowie selbstaufblasende Schwimmflügel und schmeisst ihn ins Wasser. Sobald er länger als 30 Sek. unter Wasser ist (durch den Sauerstoff passiert ihm nichts) kommt eine Meldung "Sie sind soeben ertrunken..", die Schwimmflügel blasen sich auf und befördern den Schüler wieder an die Oberfläche. Dann entweicht die Luft aus den Schwimmflügeln und das Spielchen beginnt von neuem.
Das Hocharbeiten vom ersten Modell dass nur "voll rechts-Mitte-voll links" kennt bis zum ersten, vollständig steuerbaren Modell kann man schliesslich etwa mit dem Schwimmschüler vergleichen, der Stück für Stück immer weniger Luft in den Schwimflügeln hat, bis dann schliesslich gar keine Luft mehr in den Flügeln ist.

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