
Die Landung
Auf dieser Seite möchte ich einige Methoden aufzeigen, mit denen sie ihr Modell sicher auf den Boden zurück bekommen und sich selber eine ganze menge Nerventropfen und ihren Kollegen jegliches Kanonenfutter ersparen können.
Das hier Gesagte gilt, wenn nicht anders erwähnt, für Modellkunstflugzeuge mit Zweibeinfahrwerk.
Inhalt
1 Die klassische Landung
1.1 Vorübungen
1.2 Die Ziellandung
2 Varianten
2.1 Landung bei böigem Wind.
2.2 Landung bei Gegenwind
2.3 Landung bei Seitenwind
2.4 Landung bei Rückenwind
2.5 Landung mit Hindernis im Endanflug
2.6 Variation des Endanflugwinkels
2.7 Länge des Endanfluges
2.8 Weglassen von Gegen- und Queranflug
2.9 Harrierlandung
2.10 Ziellandung
2.11 Die saubere Landung
2.12 Die Notlandung
2.13 Die Handlandung
3 Modellspezifische Anpassungen
3.1 Kleine EPP-Modelle
3.2 Shockflyer
3.3 Zweiachssegler
3.4 Kunstflugzeuge
4 Landehilfen
4.1 Querruder hochstellen
4.2 Slip
1 Die klassische Landung
Bei der klassischen Ziellandung gilt es, in Verlängerung der Landebahn mit Minimalgeschwindigkeit fliegend am Anfang der Landebahn auf dem Boden aufzusetzen. Wie man an diesen Punkt hinkommt ist in erster Linie mal egal.
1.1 Vorübungen
Hinweis: Spielen sie Übungen 1-4 zuerst am Simulator durch bis sie flüssig und ohne zu Überlegen funktionieren. In Echt können sie meist nur Übung 4 Machen, da ihre Landebahn für Übung 1-3 sehr wahrscheinlich zu klein sein wird.
Übung 1: Der Platzüberflug
Folgender Trick ist hervorragend geeignet, um Stress und Anspannung bei der Landung zu umgehen: Ihr Ziel soll es bei der Landung NICHT sein, das Modell am gewünschten Punkt auf den Boden zu bringen. Vielmehr fliegen sie einen Platzüberflug in 2cm Höhe, der Beginn des Überfluges fällt dabei mit dem Aufsetzpunkt zusammen, der Überflug erfolgt in Richtung der Landebahn. Am Aufsetzpunkt nehmen sie bei diesem Überflug einfach das Gas raus und sie sind gelandet
.
Dieser Trick wirkt im ersten Moment vielleicht etwas seltsam, aber probieren sie es einfach mal aus, sie werden verblüfft sein wie gut er funktioniert.
Übung 2: Landung ohne Gas
1. Gegenanflug
Fliegen sie parallel zur Landebahn, ca. 15 Spannweiten über dem Boden an. Bremsen sie dabei auf ca. doppelte bis dreifache Minimalgeschwindigkeit ab.
2 Queranflug
Halten sie die Geschwindigkeit, timen sie die letzte Kurve so, dass sie in Verlängerung der Landebahn fliegend wieder herauskommen.
3. Endanflug
Stellen sie das Gas auf Null und lassen sie das Modell geradeaus fliegen, bis die Geschwindigkeit auf 1.5-Fache Minimalgeschwindigkeit gesunken ist.
Leiten sie anschliessend mit kurzem Drücken den Sinkflug ein. Bemessen sie den Sinkwinkel so, dass das Modell die Geschwindigkeit hält.
Halten sie diesen Sinkwinkel und konzentrieren sie sich auf den Abstand Modell-Boden. Sobald dieser 1 Spannweiten des Modells unterschreitet, ziehen sie leicht am Höhenruder und fangen sie das Modell in einem Bogen ab, so dass sie nachher wenige cm über dem Boden geradeaus fliegen. Versuchen sie Jetzt so weich wie möglich aufzusetzen.
4. Ausrollen
Nehmen sie nach dem Aufsetzen sofort das Gas zurück und lassen sie die Maschine ausrollen
Hinweise:
Wenn sie zu stark abfangen ist das Modell am Schluss zu hoch, aufgrund der geringen Fluggeschwindigkeit besteht akute Abkippgefahr. Sobald sie daher merken dass das Modell zu hoch rauskommt: Gas rein, horizontal beschleunigen und dann durchstarten.
Fangen sie zu langsam ab dann knallt das Modell ins Fahrwerk, in diesem Fall können sie nur hoffen dass das Fahrwerk hält
.
Bemessen sie die Geschwindigkeit im Sinkflug so, dass ihnen noch genügend Schwung zum Abfangen bleibt, aber sie nach dem Abfangen nicht noch endlos ausschweben müssen.
Übung 3: Landung mit wenig Gas
Wiederholen sie Übung 1, lassen sie diesmal aber während der Landung bis zum Aufsetzen ein wenig Gas drin, so dass sie insgesamt länger und flacher wird. Fangen sie dabei mit sehr wenig Gas an und steigern sie das Gas von Landung zu Landung, bis sie ungefähr bei der Gasstellung angekommen sind, bei der sie in Bodennähe im Prinzip die Höhe halten könnten.
Übung 4: Landung mit Variablem Gas
Wiederholen sie Übung 1, fliegen sie diesmal den Sinkflug ohne Gas und knapp über der Minimalgeschwindigkeit, und unterstützen sie dann das Abfangen mit einem kurzen, sanften Gasstoss.
Übung 5: Ziellandung
Wiederholen sie Übungen 1-3 und versuchen sie diesmal an einem genau festgelegten Punkt aufzusetzen.
1.2 Die Ziellandung
Markieren sie sich während (!) dem Queranflug in Gedanken ihren Aufsetzpunkt auf der Landebahn sowie den Einflug- und Peilpunkt des Endanfluges und denken sie sich die Endanflugslinie durch Einflug- und Peilpunkt hindurch. Gestealten sie den rest des Queranfluges jetzt so, dass sie exakt beim Einflugpunkt des Endanfluges mit ca. 1.5-Facher Minimalgeschwindigkeit herauskommen. Wechseln sie dafür mit den augen regelmässig zwischen modell und Einflugspunkt hin und her.
Arbeiten sie im Endanflug mit dezenten und dennoch schnellen Höhen-, Quer- und Seitenruderausschlägen, so dass sie ihre Endanflugslinie so genau wie möglich einhalten. Wechseln sie mit den augen dabei Regelmässig zwischen Modell und Peilpunkt hin und her.
Fangen sie ca. eine halbe spannweite über dem boden weich ab und setzen sie auf.
Höhenruderkorrekturen
Art und intensität der Höhenruderkorrekturen im Endanflug hängen sehr stark von der Modellauslegung ab:
Kopflastige Modelle
Bei Kopflastig eingestellten Modellen (im Rückenflug muss gedrückt werden) müssen sie im Endanflug zum Halten der gewünschten geringen Geschwindigkeit meist leicht ziehen, beim Abfangen müssen sie entsprechend etwas stärker ziehen.
Einem bestimmten Höhenruderausschlag lässt sich im Geradeausflug auch eine bestimmte Geschwindigkeit zuordnen, sie können hier quasi mit dem Höhenruder die Modellgeschwindigkeit vorgeben, das Modell findet diese in gewissen (engen) Grenzen dann von selbst.
Diese zwei Umstände erleichtern das Landen erheblich, da sie einerseits während der gesamten Landung mehr oder weniger stark ziehen müssen und das Modell sich andererseits seine Geschwindigkeit ansatzweise von selbst sucht.
Neutrale Modelle
Bei neutral eingestellten Modellen (im Rückenflug muss nicht gedrückt werden) müssen sie im Endanflug nicht mehr ziehen, oft müssen sie sogar leicht drücken, damit das Modell nicht zu langsam wird.
Das Modell findet seine Geschwindigkeit jetzt nicht mehr selber, das Einhalten der korrekten Flugbahn und Fluggeschwindigkeit erfordert hier permanente HR-Korrekturen nach oben wie nach unten sowie das passende Gasmanagement.
Die Landung wird dadurch erheblich anspruchsvoller, da man die ganze Zeit voll am knüppeln ist und das Modell nichts mehr selber macht.
Schwanzlastige Modelle
Bei schwanzlastig eingestellten Modellen (im Rückenflug müssen sie ziehen) müssen sie im Endanflug durchgehend drücken, zum Abfangen genügt meist eine Reduktion des Tiefenruderausschlages.
Das Modell findet seine Geschwindigkeit auch hier nicht mehr selbst, aktives Knüppeln in allen Phasen des Landeanfluges ist gefordert.
Mit schwanzlastig eingestellten Modellen darf man nicht zu langsam landen, da der Anstellwinkel des HLW durch die Tiefenruderzugabe grösser ist als der der Tragflächen. Dadurch besteht die Möglichkeit, dass die Strömung bei unterschreiten der Minimalgeschwindigkeit trotz "gutmütigerer" Geometrie zuerst am HLW abreisst, das Modell nimmt dann schlagartig das Heck nach unten und geht in den Harrier oder kippt ab.
Weitere Hinweise
Gehen sie die Sache langsam an und versuchen sie anfangs nicht um jeden Preis die Endanflugslinie einzuhalten. Es kann ihnen sonst passieren dass sie sich zu stark auf den Endanflug konzentrieren, das Abfangen vergessen und dann relativ übel auf die Landebahn klatschen.
Fliegen sie anfangs sehr flach an, das vereinfacht das Zielen und ihr modell verzeiht ihnen auch mal einen Timingfehler beim Abfangen.
Umsteigern von Kopflastigen Modellen empfehle ich wärmstens, den Schwerpunkt nur in kleinen Schritten zurück zu nehmen und mit jeder Schwerpunkteinstellung eine ausreichende Zahl an Landeanflügen zu machen. Die Tiefenruderzugabe im Langsamflug kann, je nach Veranlagung des Piloten, anfangs gewaltig irritieren, im schlimmsten fall verwechselt ihr Kopf Tiefen- und Höhenruder ("Also bisher musste ich das Ruder zum Abfangen ja einfach weiter in die Richtung ausschlagen, in der es schon beim Endanflug ausgeschlagen war, das kann hier ja auch nicht verkehrt sein...") und sie geben zum Abfangen Tiefenruder statt Höhenruder...
Je länger sie den Endanflug machen, desto einfacher wird er. Bei einem langen Endanflug haben sie mehr Zeit, sich von den Strapazen des Gegen- und Queranfluges zu erholen
, sie haben länger Zeit den richtigen Gleitwinkel einzustellen und sie können länger und besser zielen. Gerade Einsteigern kann ich wärmstens empfehlen, den Endanflug wirklich gross zu machen, 10 Sekunden Endanflug sind da für ein 1.3m-Modell keinesfalls zu lang.
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Fabian Günther