
2 Ebene Rollfiguren
2.1 Vierpunktrolle
Was isses?
Bauchflug -> Viertelrolle -> Messerflug -> Viertelrolle -> Rückenflug -> Viertelrolle -> Messerflug -> Viertelrolle -> Bauchflug.
Überlegungen zur Vierpunktrolle
Wie macht man's?
Geben sie aus dem Bauchflug Querruder und rollen sie das Modell möglichst kurz um 90 Grad. Beginnen sie bereits während der Rolle, das Modell mit dem Seitenruder zu stützen, damit es im Messerflug nicht vom Himmel fällt. Korrigieren sie gleichzeitig falls Nötig die Flugrichtung mit dem Höhenruder. Halten die Messerfluglage 1-2 Sekunden.
Rollen sie aus dem Messerflug in den Rückenflug, lassen sie bereits während dem Rollen das Seitenruder wieder los und stützen sie das Modell ggf. mit Tiefenruder, um die Flughöhe zu halten. Halten sie die Rückenfluglage 1-2 Sekunden.
Rollen sie aus dem Rückenflug in den Messeflug. Beginnen sie bereits während der Rolle, das Modell mit dem Seitenruder zu stützen, damit es im Messerflug nicht vom Himmel flällt. Korrigieren sie gleichzeitig falls nötig die Flugrichtung mit dem Höhenruder. Halten die die Messerfluglage 1-2 Sekunden.
Rollen sie aus dem Messerflug in den Bauchflug. Nehmen sie bereits während der Rolle das Seitenruder zurück. Halten sie die Bauchfluglage 1-2 Sekunden.
Wo hängts?
Die 4-Punkt-Rolle zeigt gnadenlos, ob sie irgendeine der benötigten Fluglagen (Bauchflug, Rückenflug, Messerflug) noch nicht ganz beherrschen
. Ausserdem ist jetzt der schnelle und koordinierte Wechsel zwischen den Fluglagen gefordert.
Varianten
4 Flugrichtungen (nach links, nach rechts, nach vorne, nach hinten)
2 Rollrichtungen (Uhrzeigersinn, Gegenuhrzeigersinn)
4 Ein-/Ausflugslagen (Bauchflug, Rückenflug, Rechtsmesserflug, Linksmesserflug).
STP in der Einheitsschlaufe
Übung 1: Fliegen sie Viertelrollen. Zuerst Bauchflug -> Messerflug -> Rückenflug -> Messerflug -> Bauchflug. Halten sie dabei nach jeder Vierteldrehung die neue Fluglage solange, bis sie das Modell unter Kontrolle haben d.h. bis sie die Fluglage ohne Aufschwingen oder Verknüppeln halten können. Sobald sie das Modell unter Kontrolle haben können sie die nächste Vierteldrehung anhängen. Das Einhalten der Flugrichtung ist momentan noch nebensächlich. Fliegen sie diese Übung nacheinander mit beiden Rollrichtungen und solange, bis in keiner Situation mehr Verknüppler und Unsicherheiten auftreten.
Übung 2: Versuchen sie nun, ihren Kurs in den Fluglagen soweit zu korrigieren, dass sie mit ihrem Modell einigermassen auf einer Linie fliegen.
Übung 3: Fliegen sie Übungen 1 und 2 nochmals, leiten sie die Vierpunktrolle diesmal nicht aus dem Bauchflug sonder aus dem Linksmesserflug, Rückenflug und Rechtsmesserflug ein.
Weitere STP-Übungen
Übung 4: Fliegen sie die Vierpunktrolle mit konstanter Höhe möglichst genau über einer geraden Linie auf dem Boden.
Übung 5: Fliegen sie die Vierpunktrolle mit konstanter Höhe möglichst genau über einer gekrümmten Linie auf dem Boden.
Grenzbereich
Schnellstmögliche Vierpunktrolle (Rollzeit, nicht Fluggeschwindigkeit
), die noch als solche erkennbar ist.
Geringstmögliche Fluggeschwindigkeit bei einer Vierpunktrolle mit z.B. 8 Sekunden pro Rolle.
Tipps
Arbeiten sie bei der ersten Übung mit Eselsbrücken für die Knüppelbewegungen von Querruder und Seitenruder (Bauchflug: Querruder links bedeutet zuerst Seitenruder rechts, usw.). So können sie die Wahrscheinlichkeit eines Verknüpplers drastisch senken. Im Verlauf der ersten Übung verinnerlichen sie den Bewegungsablauf dann soweit, dass sie die Eselsbrücken am Schluss nicht mehr benötigen.
Investieren sie nach dem STP in der Einheitsschlaufe nicht mehr zu viel Zeit ins STP ausserhalb der Einheitsschlaufe, beim Endlosrollentraining stei gern sie die Präzision der Vierpunktrolle quasi als "Nebenprodukt" automatisch mit.
2.2 Endlosrolle
Was isses?
Für Mathematiker:
.
Für Grobmotoriker: Knüppel ins Eck und schauen was passiert
.
Für alle Anderen: Eine Rolle ohne Zwischenstopps.
Überlegungen zur Endlosrolle
Wie macht man's?
Nehmen sie das Steuerschema der Vierpunktrolle und denken sie sich jeweils die 1-2 Sekunden für den Bauchflug/Rückenflug/Messerflug weg.
Das Steuerschema sieht dann so aus: mit dem Querruderknüppel stellen sie die gewünschte Rollgeschwindigkeit ein, das Gas ist für die Fluggeschwindigkeit zuständig, mittels Seiten- und Höhenruder halten sie die Höhe und bestimmen die Flugbahn des Modells. Seiten- und Höhenruderknüppel werden während der gesamten Rolle kontinuierlich bewegt, Querruder- und Gasknüppel bleiben mehr oder weniger konstant.
Wo hängts?
Die Wirkung von Höhen- und Seitenruder ändert sich während der Drehung kontinuierlich und bis sie das intus haben dauerts ne Weile.
Varianten
4 Flugrichtungen (nach links, nach rechts, nach vorne, nach hinten)
2 Rollrichtungen (Uhrzeigersinn, Gegenuhrzeigersinn)
4 Ein-/Ausflugslagen (Bauchflug, Rückenflug, Rechtsmesserflug, Linksmesserflug).
STP in der Einheitsschlaufe
Übung 1: Geben sie soviel Quer, dass ein Rollrate von 4-6 Sekunden pro Rolle dabei herauskommt und versuchen sie das Modell mit Höhen- und Seitenruder soweit zu stützen, dass es nicht vom Himmel fällt. Flugbahn und konstante Rollgeschwindigkeit sind hier eher nebensächlich, es geht wirklich darum dass sie mal irgendwie durch die Figur durchkommen.
Übung 2: Bevor sie irgendetwas am Höhen- oder Seitenrudereinsatz verfeinern können müssen sie ihre Rollgeschwindigkeit in den Griff bekommen. Rollen sie dabei so langsam wie möglich, am besten so langsam, dass sie in der Geraden der Einheitsschlaufe genau eine Rolle platzieren können. Versuchen sie jetzt die Drehgeschwindigkeit möglichst konstant zu halten. Sollten sie mal noch langsamer werden und kurzzeitig sogar ganz anhalten ist das nicht so schlimm, schneller werden dürfen sie jedoch nicht. Lassen sie sich genügend Zeit für diesen Schritt.
Übung 3: Versuchen sie nun, Flughöhe, Rollgeschwindigkeit und die Flugrichtung einigermassen konstant zu halten. Das muss nicht perfekt sein, aber ein Aussenstehender sollte schon merken dass sie ihre Rollen geradeaus fliegen
.
Weitere STP-Übungen
Übung 4: Fliegen sie die Endlosrolle mit konstanter Höhe möglichst genau über einer geraden Linie auf dem Boden.
Übung 5: Fliegen sie die Endlosrolle mit konstanter Höhe möglichst genau über einer gekrümmten Linie auf dem Boden.
Grenzbereich
Schnellstmögliche Endlosrolle (Rollzeit, nicht Fluggeschwindigkeit
), die sie noch sauber aussteuern können.
Geringstmögliche Fluggeschwindigkeit bei einer Endlosrolle mit z.B. 8 Sekunden pro Rolle.
Tipps
Achten sie auf die Gasstellung, sie sollte anfangs über die gesamte Rolle konstant sein. Ich gab anfangs je länger die Rolle dauerte immer mehr Gas, meistens leitete ich die Rolle dann mit Vollgas aus....
Am Anfang ist eine möglichst geringe Rollgeschwindigkeit wichtig, nur so sehen sie genau, ob sie in irgendeinem Teil der Rolle noch was falsches steuern.
2.3 Rollenkreis
Was isses?
Das Modell fliegt einen Horizontalen Kreis, während dem es ständig um die Längsachse rollt. Üblich sind 1,2,4 oder auch mehr Rollen pro Kreis.
Überlegungen zum Rollenkreis
Varianten
1 Flugebene (xy-Ebene)
2 Rollrichtungen (Uhrzeigersinn/Gegenuhrzeigersinn)
4 Ein-/Ausflugspunkte (vorne, rechts, hinten, links)
2 Ein-/Ausflugsrichtungen (vorne/hinten, links/rechts)
4 Ein-/Ausfluglagen (Bauchflug, Rechtsmesserflug, Rückenflug, Linksmesserflug)
Anzahl Rollen pro Kreis (1, 1.5, 2, 3, 4)
Die vier "Hauptvarianten fürs Training:
Variante 1: Umlaufsrichtung Uhrzeigersinn, Rollrichtung Gegenuhrzeigersinn (-> Das Modell rollt mit der jeweils oberen Tragfläche "aus dem Kreis heraus")
Variante 2: Umlaufsrichtung Uhrzeigersinn, Rollrichtung Uhrzeigersinn (-> Das Modell rollt mit der jeweils oberen Tragfläche "in den Kreis hinein")
Variante 3: Umlaufsrichtung Gegenuhrzeigersinn, Rollrichtung Uhrzeigersinn (-> Das Modell rollt mit der jeweils oberen Tragfläche "aus dem Kreis heraus")
Variante 4: Umlaufsrichtung Gegenuhrzeigersinn, Rollrichtung Gegenuhrzeigersinn (-> Das Modell rollt mit der jeweils oberen Tragfläche "in den Kreis hinein")
Wie macht man's?
Die Steuerbewegung von Höhen und Seitenruder, welche das Modell in der Luft hält ist grundsätzlich dieselbe wie in der geraden Rolle. Im Rollenkreis ist dieser Bewegung eine Weitere überlagert, welche zur Kreisbewegung führt. Die resultierende Bewegung entspricht einer verschobenen (entweder vorauseilenden oder nachschleppenden) Seiten- und Höhenruderbewegung der geraden Rolle. Es ist fast unmöglich dieses Steuerschema zu beschreiben, machen sie sich die Sache am besten in Ruhe mit einem Stickplane klar, welches sie mit der Hand durch die Luft bewegen (Siehe STP).
Wo hängts?
Das Steuerschema ist recht komplex und benötigt einiges an Zeit bis das Modell sauber rollt. Schon kleine Timing-Fehler der Ruderausschläge können zu üblen Sturzflügen inklusive Orientierungsverlust führen.
Das konsequente Training aller 4 Varianten erfordert einiges an Disziplin.
Je enger der Rollenkreis, desto weniger Timingfehler verzeiht er. Beim engstmöglichen Kreis muss dann alles passen.
STP in der Einheitsschlaufe
Übung 1: Los gehts mit Variante 1, Ein-/Ausflugspunkt links, Ein-/Ausfluglage Bauchflug, 1 Rolle/Kreis. Schnappen sie sich ihr Stickplane und führen sie es durch den ersten Viertelkreisbogen des Rollenkreises. Drehen sie das Stickplane dabei um 90 Grad um die Längsachse, so dass es nach dem Viertelkreisbogen im Messerflug liegt. Wiederholen sie dieses Prozedere mehrfach und überlegen sie sich, wieviel und in welche Richtung sie wann welches Ruder bewegen müssten, um die Bewegung des Stickplanes mit ihrem Modell hinzubekommen.
Übung 2: Sobald die Ruderbewegung klar ist legen sie das Stickplane zur Seite und versuchen sies mit dem Modellkunstflugzeug. Eventuell müssen sie noch ein paar Mal zwischenlanden und "Nachhilfestunden" beim Stickplane nehmen, manchmal klappts auch auf Anhieb.
Übung 3: Sobald sie den Ersten Viertelkreisbogen (Bauchflug -> Messerflug) beherrschen, üben sie den Zweiten (Messerflug -> Rückenflug) nach dem gleichen System, zuerst mit dem Stickplane, dann in echt. Sobald der Zweite geht können sie den Dritten und Vierten ebenfalls so üben.
Übung 4: Wenn sie alle vier Viertelkreisbögen durchhaben dann hängen sie sie zu einem kompletten Rollenkreis zusammen. Fliegen sie dabei jeweils nach 90 Grad eine kurze gerade Strecke, bevor sie die nächsten 90 Grad in Angriff nehmen. Hängt es bei einem Viertelkreisbogen, so trainieren sie diesen nochmals isoliert, falls nötig auch noch mal mit dem Stickplane.
Übung 5: Wenn der Rollenkreis mit den geraden Phasen einigermassen klappt nehmen sie die geraden Phasen heraus und fliegen sie ganze Rollenkreise. Sie können jetzt auch mal zwei oder drei Rollenkreise aneinanderhängen.
Übung 6: Sobald das klappt können sie nacheinander Variante 2, 3 und 4 trainieren. Das Übungsschema ist immer dasselbe wie bei Variante 1. Bei Variante 3 und 4 können sie sich je nach Begabung den Umweg über Stickplane und Viertelkreisbögen sparen und direkt zu den ganzen Rollenkreisen übergehen, ob das klappt merken sie beim ersten Versuch, klappts nicht muss wieder das Stickplane herhalten
.
Übung 7: Spielen sie jetzt für alle vier Varianten mit verschiedenen Ein-/Ausflugspunkten, Ein-Ausflugsrichtungen und Rollenzahlen.
STP/BFP
Sobald die Übung 7 zuverlässig ohne Verknüppler funktioniert können sie sich ans Optimieren der Rollenkreise machen. Beim Optimieren können immer noch vereinzelt Verknüppler auftreten, fangen sie daher bei jeder neuen Übung in Sicherheitshöhe an und reduzieren sie die Höhe erst wenn die Übung verknüppelfrei funktioniert.
Fliegen sie ihre Rollenkreise jetzt riesengross (30-50m Durchmesser mit einem 95cm Shockflyer) und achten sie auf folgende Punkte:
- Jeweils nach einem Viertelkreis muss sich das Modell auch um 90 Grad um die Längsachse gedreht haben. Um dieses Ziel zu erreichen dürfen sie falls nötig auch mal ruckartige Steuerbewegungen und beschleunigte Drehungen einbauen. Falls sie zu weit gedreht sind dann versuchen sie, vor Erreichen der Viertelkreismarkierung wieder in die korrekte Lage zurückzudrehen.
- Gestalten sie den Rollenkreis so rund wie möglich, versuchen sie auch Ein- und Ausflugspunkt auf der gleichen Höhe zu halten.
- Steuern sie das Gas aktiv mit, so dass eine gleichmässige Fluggeschwindigkeit resultiert.
- Steuern sie Böen und anderen Ungenauigkeiten aus.
Sobald das Klappt sorgen zusätzlich dafür, dass die Fluglage nach jeder Achteldrehung stimmt und dass die Rollbewegung dazwischen nicht mehr merklich beschleunigt oder ruckartig ist.
Sobald das klappt machen sie den Kreis immer kleiner, bis sie beim kleinstmöglichen Kreis angekommen sind, mit dem sie alle Anforderungen (Rundheit, konstante Geschwindigkeit, konstante Drehgeschwindigkeit) erfüllen können.
Grenzbereich
Eine gute Möglichkeit, um die Grenzen von Modell und Pilot
auszuloten, ist der engstmögliche Rollenkreis:
Trainieren sie zuerst die Variante, die noch exakt rund ist. Das Seitenruder ist hierbei mehrmals pro Kreis am Anschlag (=maximal möglicher Ausschlag), das Höhenruder nicht. Trainieren sie diese Variante zuerst mit 1 und anschliessend mit 2 Rollen pro Kreis.
Anschliessend kommt die Variante mit dem in jeder Lage kleinstmöglichem Kreisradius. Das Resultat ist nicht mehr rund sondern bei 1 Rolle/Kreis etwa ellipsenförmig. Hierbei sind Seiten- UND Höhenruder mehrmals pro Kreis am Anschlag, beim Höhenruder bedeutet dieser "Anschlag" die Höhenruderposition für den minimalen Kreisradius.
Tipps
Wenn sie Stress mit dem Steuerschema bekommen und ihnen die Maschine anfängt zu eiern, dann vergrössern sie den Kreisradius und achten sie aufs Klickschema.
Die Kreisbewegung bei den Rollenkreisen/Rollenloopings wird mit Seiten- UND Höhenruder gesteuert. Die Steuerung über Seiten- ODER Höhenruder- geht bei hoher Rollrate zwar auch, bei geringer aber nicht mehr....
Bei allen konventionell aufgebauten Modellkunstflugzeugen ist die Seitenruderwirkung deutlich schlechter als die Höhenruderwirkung (d.h. der minimale Kreisradius ist im Messerkreis deutlich grösser als im Flächenkreis), folglich stellt das Seitenruder die Limite für den kleinstmöglichen Radius beim exakt runden Rollenkreis.
Falls sie immer an der gleichen Stelle des Rollenkreises scheitern, stoppen sie genau dort mal die Drehung und fliegen in der vorhandenen Fluglage geradeaus weiter. Fluglage und Flugbahn geben meistens den entscheidenden Hinweis über den Steuerfehler an dieser Stelle.
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Fabian Günther