
3 Der Erstflug
Wichtig: Diese Beschreibung gilt nur für SLOWFLYER mit 100-500g Masse und 80-100cm Spannweite, bei denen bei Vollgas der Schub das Gewicht übersteigt und die beim Strömungsabriss durchsacken und kontrollierbar bleiben!
Die Unterschiede
Ihr reales Modellkunstflugzeug unterscheidet sich mehr oder weniger von dem Flugzeug im Simulator, wenn sie den Microsoft Flight Simulator o.Ä. verwendet haben, dann ist das reale Modellflugzeug deutlich quirliger und wendiger und es geht alles viel schneller, der Unterschied zu einem Modellflugsimulator (Aerofly, Reflex etc.) ist eigentlich eher püschologisch als flugtechnisch, in echt kommt hier anfangs nur die Absturzangst dazu, das Flugverhalten ist fast gleich wie im Sim. In beiden Fällen ist es hilfreich wenn sie sich das Modell von einem erfahrenen Kollegen einfliegen lassen und ihn bitten, ihnen für den Erstflug etwas kleinere Ruderausschläge einzustellen.
Ziel
Die STP-Übungen dienen der Vertrauensbildung, so dass ihr Puls nicht bei jedem Start auf 180 hoch geht. Sie sind dann erfüllt, wenn sie ohne Verkrampfungen, Panikattacken oder Stress mit ihrem Modell das machen können, was sie im Simulator gelernt haben. Im Prinzip können sie ja schon Fliegen, es geht hier wirklich nur darum, die Panik vor dem realen Modell weg zu bekommen und auf ihren Slowflyer umzustellen.
Fluggelände
Suchen sie sich ein Fluggelände, bei dem sie nach Möglichkeit in 100m Umkreis (=200x200m Flugfeld) keinen Baum oder ein anderes Hindernis im Weg haben. Sie können zwar bereits enger fliegen, aber am Anfang beruhigt es Ungemein wenn man Platz hat. Unter 80x80m Flugfeld sollten sie anfangs jedoch keinesfalls gehen, sonst kanns ernsthaft Stress geben. Achten sie auch darauf, das sie beim wenig Wind (max. 2m/s und nicht böig) haben.
Der Check
Checken sie ihr Modell vor dem ersten Flug gründlich auf Baufehler durch und prüfen sie die korrekte Funktion aller Teile. Auf der Seite Flugsicherheit: Konzepte finden sie Tipps Listen für diesen Check, auf der Seite Flugsicherheit: Fehlersammlung sehen sie was alles schief gehen kann
und auf der Seite Fehlersuche finden sie eine Checkliste für den Fall das das Modell nicht so will wie sie wollen.
Hilfe von Aussen
Wenn sie die Möglichkeit haben, dann nehmen sie für die ersten Flüge einen erfahrenen Piloten mit. Lassen sie ihn den ersten Flug und die erste Landung machen und schauen sie genau zu, wie er das anstellt. Wen sie dann fliegen stellt er sich hinter ihnen auf, gibt ihnen gezielte Hinweise (Queranflug noch etwas länger... du bist noch zu hoch, mach noch ne Runde.. etwas mehr Gas..) und lotst sie so sicher durch den Erstflug und die erste Landung. Ich habs so gemacht und kanns nur wärmstens empfehlen. Schon rein die Anwesenheit eines erfahrenen Piloten beruhigt ungemein
.
STP
Starten sie den Slowflyer, indem sie ihn hinter der Tragfläche am Rumpf halten, nach dem Rudercheck das Gas auf etwas über senkrechtes Steigen stellen (1/2- 3/4-Gas, je nach Modell) und ihn Sanft 45 Grad nach oben wegschieben. Wenn sie das sauber und nicht zu hektisch gemacht haben haben sie alle Zeit der Welt, die Hände zu den Knüppeln zu nehmen. Sobald das Modell auf etwa 30m Höhe angekommen ist, drosseln sie auf Halbgas und fliegen in weiten Kreisen durch die Gegend. Vermeiden sie dabei Steig- und Sinkflüge über 30 Grad und Kurvenschräglagen über 45 Grad und fliegen sie nicht tiefer als 30m. Wenn sie landen wollen, stellen sie das Gas in den Leerlauf (Propeller dreht sich gerade noch) und fliegen mit ganz leichtem Höhenruderzug gegen den Wind an. Der Sinkwinkel ergibt sich automatisch. Kurz vor dem Aufsetzen nehmen sie das Gas ganz raus. Diese Landung ist mehr ein "hinplumpsen", nicht sonderlich schön, dafür aber sehr sicher und Slowflyerfahrwerke halten sowas auch aus.
BFP
Seien sie bei den folgenden BFP-Übungen nochmals einen Zacken vorsichtiger als am Simulator. Seien sie vor allem bei den Tiefflügen sehr wachsam, erhöhen sie nach Unsicherheiten oder Verknüpplern sofort die Flughöhe (zur Not wieder bis auf Sicherheitshöhe rauf) und trainieren sie dort die Unsicherheit weg.
Übung 1: Wiederholen sie die BFP-Übungen aus dem Simulatortraining.
Übung 2: Stellen sie sich auf einer Wiese oder auf einer Asphaltfläche ein Dreieck aus ca. 1m hohen Pfosten aus Styropor (5x5cm) auf (etwa 15x7m gross) und fliegen in 1-2m Höhe Pylon (nicht zu schnell!) um diese Stangen.
Übung 3: Stecken sie sich einen Slalom ab (Markierungen auf dem Boden genügen, in 1-2m Flughöhe sollten sie auch ohne Pflöcke sehen, ob sie um die Markierungen rumgekommen sind
) und fliegen sie mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten und unterschiedlichen Steuerungsarten (ohne Seitenruder / mit geringstem Schieben / Tragflächen parallel zum Boden) hindurch. Variieren sie auch den Abstand der Markierungen.
Übung 4: Unterfliegen sie Sachen, ohne dabei die Nerven zu verlieren. Mit EPP-Modellen dürfen das auch gerne mal Sitzbänke, Stacheldratzäune oder ähnliches sein, für alle anderen Modelle spannen sie ein Seidenpapierband zwischen zwei ca. 5m entfernten Pfosten in der gewünschten Höhe und fliegen da drunter durch. Sie können auch mehrere derartige Hindernisse hintereinander aufbauen.
Übung 5: Slalom vertikal. Stellen sie mehrere Pflockpaare mit Seidenpapier hintereinander auf, und fliegen sie jeweils abwechselnd unter oder über einem Band durch.
Übung 6: Fliegen sie einem etwa gleich grossen und gleich schnellen Modell (1) in ca. 10m Abstand hinterher. Fliegen sie dabei die Flugbahn ihres Vordermannes möglichst präzise nach. Sie müssen dabei etwas versetzt zur Flugbahn ihres Vordermannes fliegen, um nicht in seine Wirbelschleppe zu geraten.
Übung 7: (Fahrwerk ist Voraussetzung) Fliegen sie im Bauchflug geradeaus über einer Asphaltfläche. Versuchen sie den Abstand zwischen Rädern und Boden so gering wie möglich zu machen, ohne dass die Räder dabei den Asphalt berühren.
Übung 8: (Fahrwerk ist Voraussetzung) Suchen sie sich eine grosse Asphaltfläche und fliegen im Bauchflug so tief, dass die Räder höchstens 10cm vom Boden weg sind. Die Kurven fliegen sie mit höchstens 10 Grad Schräglage, hauptsächlich mit dem Seitenruder gesteuert.
Übung 9: Modifizieren sie ihre Landetechnik jetzt ein bisserl, in dem sie versuchen, das Modell in einem Rechteck von 4x8m zu landen. Leiten sie den Landeanflug jetzt etwas zu kurz ein und schleppen das Modell mit etwas mehr Gas bis zur Landefläche. Bis das passt braucht es viele Versuche, und die Landerei neben der Eignung als Übung für den Bauchflug auch eine harte Belastungsprobe für den Fahrwerksbereich ihres Rumpfes...
Übung 10: Fliegen sie bei böigem Wind. Einige Übungen (vor allem die Flughöhen) müssen sie dafür etwas anpassen. Fliegen sie anfangs genügend hoch, bis sie das Wirbelbild des Platzes kennen und die Böen sauber aussteuern können. Nachher können sie weiter runter gehen.
Übung 11: Fliegen sie die Übungen bei Gelegenheit auch mal bei schlechtem Licht (Morgen, Abend, Wolken).
Tipps
| Bei böigem Wind müssen sie im Landeanflug etwas schneller fliegen, um bei einer plötzlichen Böe von hinten nicht mit einem Strömungsabriss vom Himmel zu fallen. | |
| Fliegen sie (wenn nicht anders angegeben) die Übungen nahe am Boden mit möglichst geringer Geschwindigkeit, jedoch mit genügend Fahrtreserve, dass sie keinen Strömungsabriss bekommen können. Wenn sie bei dieser geringen Geschwindigkeit unfreiwillig "landen"' kann ihr Modell das unbeschadet überstehen, bei hoher Geschwindigkeit zerreisst es Slowflyer bei Bodenberührung regelrecht.). |
Bemerkungen
(1) Den Piloten sollten sie vorher informieren, er könnte sich sonst angegriffen fühlen...
.zurück
| Änderungen an dieser Seite |
![[Slalom]](images/0043_0005t.jpg)
![[Slalom]](images/0043_0006t.jpg)

Fabian Günther