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9 Kritische Fluglagen
Für den Umsteiger aus dem Shockflyerbereich hat die AJ-Extra ein paar ganz spezielle Ekligkeiten parat. Wenn man diese kennt und richtig reagiert dann ist dass kein Problem, wird man von ihnen überrascht dann wirds übel. Die meisten dieser Ekligkeiten habe ich bis hier her schon mal erwähnt, im Folgenden möchte ich nochmals alle mir bekannten auflisten.
1. Nichtbemerken des Strömungsabrisses
Sie fliegen hochkonzentriert (z.B. beim Landeanflug), wobei sie sich hauptsächlich auf die Flugbahn des Modells konzentrieren. Wenn ihnen die Maschine hier abreisst dann realisieren sie das im Extremfall nicht als Abriss, steuern folglich normal dagegen, was die AJ-Extra mit einem noch viel ekligeren Abkipper quittiert. Völlig verwirrt steuern sie wieder (falsch) dagegen, die AJ-Extra schaukelt sich immer weiter auf und schlägt schliesslich ein. Erst nach dem Einschlag wird ihnen klar das die Maschine einen Strömungsabriss hatte.
Grund: PIO
heisst das Zauberwort
. Vom Shockflyer her sind sie gewohnt, den Strömungsabriss einfach als Abweichung von der Flugbahn zu behandeln und entsprechend normal dagegen zu steuern. Kommen bei der AJ-Extra nach dem Strömungsabriss nicht die korrekten Ruderreaktionen schmiert ihnen die Maschine ab
.
Reaktion: Immer die Abrissmöglichkeit im Hinterkopf behalten und beim Abriss SOFORT ins entsprechende "Abrisssteuerprogramm" wechseln.
Verhindern: Trainieren sie sich diesen Wechsel zwischen "Normalsteuerprogramm" und "Abrisssteuerprogramm" während dem Abrisstraining an, bis er fliessend, intuitiv und selbstverständlich läuft. Das ist eine langwierige und mühsame Angelegenheit, aber sie ist unbedingt nötig.
2. Aufschaukeln beim Abfangen nach dem Strömungsabriss
Sie reissen mehr oder weniger unerwartet ab, wollen die Maschine so schnell wie möglich wieder in den Normalflug bekommen (in Bodennähe verständlich), übersteuern, schaukeln sich bevorzugt um die Längsachse auf, können dieses Aufschaukeln nicht beenden und schaukeln folglich bis zum Einschlag durch.
Grund: Ebenfalls PIO
. Bei frisch abgerissener Strömung reagiert das Modell auf dem Querruder deutlich hibbeliger und dreht auch mehr nach, in Verbindung mit dem übersteuern durch den Schreck des Strömungsabrisses ergibt das das erwähnte Aufschaukeln. Wenn das Modell dann erstmal aufgeschaukelt ist sind Korrekturen mit dem Gas, HR und SR nur noch schwer möglich, da bereits kleinste Korrekturen das Modell abkippen lassen. Ohne diese Korrekturen verliert das Modell jedoch immer mehr Höhe, wenn sie das Aufschaukeln nicht in den Griff bekommen schlagen sie früher oder später ein.
Reaktion: In Sicherheitshöhe: Finger weg vom Querruder, Modell Fahrt aufholen lassen und normal abfangen. In Bodennähe: Querruder nur ganz sanft und mit Absicht verzögert steuern, Vollgas und voll Höhenruder/Tiefenruder rein und senkrecht nach oben wegfliegen. Wenn ihre Maschine dafür nicht genügend Leistung hat ist sie nur eingeschränkt 3D-Tauglich (und zwei Sekunden später sowieso wieder im Baukastenzustand
)
Verhindern:
Trainieren sie das aktive Beenden des Aufschwingens in Sicherheitshöhe, indem sie ihr Modell abreissen lassen und es dann mit gezielten Querruderkommandos in diesen "Aufschwingzustand" befördern (die optimalen Steuerbewegungen zum Einleiten dieses Manövers sind modellabhängig, das müssen sie ausprobieren). Geben sie sich dabei eine bestimmte Mindesthöhe, und wenn sie bis zu dieser Höhe das Abfangen noch nicht geschafft haben beenden sie das Pendeln normal mittels loslassen der Ruder und Fahrtaufholen.
Bereits nach kurzen Training lässt sich die Situation nicht mehr willentlich herbeiführen. Unerwartet (z.B. während dem Figurentraining) kann sie aber immer noch vorkommen, wenn sie dann in Sicherheitshöhe sind und schnell genug schalten können sie ebenfalls probieren die Sache mit Querruderkorrekturen in den Griff zu bekommen.
3. Strömungsabriss nach Wiederanlegen der Strömung
Sie reissen mehr oder weniger unerwartet ab, reagieren aber soweit korrekt und befördern das Modell wieder in den Normalflug. Wenn sie bei dieser (eigentlich korrekten) Reaktion zu hastig oder mit zu grossen Ausschlägen agieren kann es sein dass sie noch während dem Wiederanlegen der Strömung den nächsten Abriss bauen. Auf diesen reagieren sie dann vor lauter Schreck erst recht zu hastig und bauen damit gleich den dritten Abriss. Diese Sache kann sich dann problemlos bis zum Einschlag fortsetzen, die Sicherheitshöhe ist nach 3 Abrissen meistens bereits aufgebraucht.
Grund: PIO
In Da House...
Reaktion: Nerven behalten und langsam genug abfangen.
Verhindern: Auch der Umgang mit diesen Mehrfachabrissen lässt sich analog zum Aufschwingen gezielt trainieren.
4. Strömungsabriss in flachen Kurven
Fliegt man mit wenig Gas langsam horizontal, hält die Tragflächen mit wenig Querruder horizontal und gibt dann für eine flache Kurve beherzt Seitenruder, kippt die AJ-Extra schlagartig über die kurveninnere Fläche weg und geht in einen steilen Slip, im schlimmsten Fall ist auch Trudeln möglich.
Grund: Durch das Seitenruder dreht sich das Modell um die Hochachse, die kurveninnere Tragfläche wird langsamer angeströmt als die kurvenäussere, das Modell dreht dadurch in die Kurve hinein, durch die Drehung wird die kurveninnere Tragfläche leicht von unten angeströmt, daraus resultiert ein höherer Anstellwinkel und die Maschine reisst ab. An der äusseren Tragfläche liegt die Strömung noch an, daher kippt das Modell schlagartig über die innere Tragfläche ab. Wenn sie vor dem Abriss noch halbwegs schnell waren legt sich die Strömung an der kurveninneren Tragfläche wieder an (Slip, Sturzflug), wenn sie extrem langsam waren bleibt sie abgerissen und das Modell geht ins Trudeln.
Reaktion: Alle Ruder loslassen, das Modell fängt sich nach max. einer halben Umdrehung wieder. Gönnen sie ihm dann noch 10m Sturtzflug, bis sich die Strömung ganz wieder angelegt hat und fangen sie dann sanft ab. Fortgeschrittene können die Drehbewegung früher stoppen, indem sie leicht Gegenseitenruder geben. Dieses Gegenseitenruder will aber wohl dosiert sein, treten sie vor Schreck zu heftig ins Seitenruder kippt ihnen die Maschine gleich auf die andere Seite ab.
Gönnen sie dem Modell anfangs unbedingt die 10m Sturzflug, fangen sie früher ab besteht die Gefahr dass das Modell wegen noch nicht ganz ausgebildeter Strömung gleich nochmal abreisst und abkippt.
Steuern sie nach dem Abkippen NICHT mit dem Querruder dagegen, sofern überhaupt eine Querruderwirkung eintritt wirkt diese höchstens destabilisierend.
Verhindern: Umsteiger fliegen flache Kurven nur mit ausreichend Sicherheitshöhe. Fortgeschrittene fliegen flache Kurven mit genügend Geschwindigkeit.
5. Abkippen im Sackflug
Im Sackflug mit wenig Gas und fast voll gezogenem Höhenruder kann man prima Höhe abbauen. Im Sackflug ohne Gas, speziell mit zu wenig gezogenem HR kann man das Modell prima versenken. Vorher schaukelt es sich heftigst auf und kippt meistens wie bei der flachen Kurve über eine Fläche ab.
Grund: Im Sackflug mit Gas und viel HR ist der Anstellwinkel der Tragflächen so gross (meist >30 Grad) dass die abgerissene Strömung an den Tragflächen gar nicht auf die Idee kommt sich wieder anzulegen. Weniger Gas bedeutet geringere HR-Wirkung und damit flacheres Sinken, in Verbindung mit zu wenig HR können die Tragflächen dann plötzlich in den Bereich kommen, wo sich die Strömung wieder anlegt (<12 Grad). Die Strömung legt sich meist einseitig wieder an, die entsprechende Tragfläche wird hochgehoben, der Pilot steuert dagegen, die Strömung reisst wieder ab und legt sich dafür an der anderen Tragfläche an, der Pilot steuert wieder dagegen, das Modell schaukelt sich auf und wird unkontrollierbar.
Reaktion:In Sicherheitshöhe: Lassen sie die Finger vom Querruder, neutralisieren sie das Höhenruder, lassen sie das Modell 10m ohne QR-Korrektur fahrt aufnehmen so dass sich die Strömung vollständig wieder anlegen kann und fangen das Modell dann ab. In Bodennähe: Finger weg vom Querruder, Vollgas, HR und bei zu grosser Schräglage SR rein und senkrecht nach oben wegsteigen.
Fortgeschrittene können das Pendeln mit Gas, mehr HR und geschickten QR-Reaktionen in den Griff bekommen, das ist allerdings sehr schwierig, kommen die QR-Reaktionen auch nur minimal verspätet verschlimmert sich das Pendeln, das Modell kann im schlimmsten Fall bis zum Boden hin durchpendeln.
Verhindern: Sackflüge ohne Gas sind anfangs tabu, gibt man zusätzlich zum Gas soviel HR dass das Modell ca. im 45 Grad-Winkel runterkommt ist die Sache in Butter.
6. Abkippen im Harrier I
Wenn sie im Flächenharrier das HR zu lange reduzieren (Abrutschen vom HR-Knüppel, übersteuern bei einer Böe), so das das Modell schon fast wieder in die Horizontale zurückgekippt ist und dann einfach mit dem normalen Harrierschema weitermachen beginnt das Modell extrem stark zu pendeln und kippt irgendwann über eine Fläche ab.
Grund: Der Grund ist der gleiche wie fürs Abkippen im Sackflug, durch das reduzieren des Höhenruders reduzieren sie den Anstellwinkel der Tragflächen, die Strömung beginnt sich wieder anzulegen, und mitten im Anlegen steuern sie wieder mit QR rein.
Reaktion: Gleich wie beim Abkippen im Sackflug, Umsteiger gehen sofort vom HR und lassen das Modell 10m lang Fahrt aufholen und fangen es anschliessend ab.
Verhindern: HR im Harrier nicht zu stark reduzieren
.
7. Abkippen im Harrier II
Wenn sie im Flächenharrier zu lange mehr als 60 Grad um die Längsachse aus der Horizontalen heraus fliegen (also quasi schon halb im Messerharrier) und dann wieder in den Flächenharrier zurückdrehen quittiert das Modell das ebenfalls mit heftigem Pendeln.
Grund: Der Grund ist ebenfalls ein teilweises Wiederanlegen der Strömung, im Messerharrier haben die Tragflächen ja 0 Grad Anstellwinkel, irgendwo zwischen Flächenharrier und Messerharrier kommt der Bereich wo sich die Strömung wieder anlegt.
Reaktion: Gleich wie oben, Umsteiger gehen sofort vom HR und lassen das Modell 10m lang Fahrt aufholen und fangen es anschliessend ab.
Verhindern: Im Harrier nicht zu weit Wegdrehen.
8. Wegdriften im Hovern/Torquen
Das Modell kippt im Hovern/Torquen zur Seite und gleichzeitig leicht nach vorne/hinten weg, sie reagieren etwas spät, hauen aber korrekt Gas, HR und SR rein. Wenn ihre AJ-Extra eher schwach motorisiert ist (Schub:Gewicht unter 1,2:1) dann klinkt sie in dieser Schräglage mit voll dagegen ausgeschlagenem HR und SR und Vollgas regelrecht ein und driftet in Richtung der Schräglage weg.
Grund: Ausgeschlagene Ruder bremsen ganz gewaltig, bei Schubverhältnissen unter 1,2:1 so weit das das Modell selbst bei Vollgas sinkt. In Bodennähe wird sowas übelst gefährlich, da kommt man in der Panik meist nicht auf die Idee die Figur richtig auszusteuern sondern steuert verbissen dagegen bis die Maschine "aufsetzt".
Reaktion: Drehen sie die Maschine mit dem Querruder in den Flächenharrier, Reduzieren sie den HR-Ausschlag und nehmen sie das Seitenruder ganz zurück. Wenn sie hoch genug sind können sie auch einfach HR und SR neutralisieren und das Modell seitlich Fahrt aufholen lassen. Anschliessend landen sie und bauen einen stärkeren Antrieb ein
.
Verhindern: Torquen mit Schub:Gewichts-Verhältnissen unter 1,5:1 ist nichts für Umsteiger, vor allem nicht in Bodennähe. Motorisieren sie ihre Maschine also entsprechend.
9. Shockflyerwende
Shockflyer kann man bei langsamer Fluggeschwindigkeit sehr effektiv um 180 Grad wenden, indem man einfach ins Seitenruder tritt. Der Strömungsabriss an der inneren Tragfläche ergibt dabei gerade die korrekte Kurvenschräglage
. Wenn sie das mit de AJ-Extra aus reiner Gewohnheit auch machen dann kippt diese schlagartig ab und gerät ins Trudeln. Wenn man dann noch im Shockflyerdenkmuster ist wird man von diesem Trudeln böse überrascht
Grund: Strömungsabriss an der inneren Tragfläche führt bei der AJ-Extra bei langsamer Fluggeschwindigkeit immer zum Trudeln.
Reaktion: Beenden sie das trudeln normal
Verhindern: Reissen sie sich die ersten paar Flugstunden zusammen und versuchen sie aktiv, gegen diese "Shockflyer-Gewohnheiten" anzukämpfen. Irgendwann sind sie sie dann los.
10. Unvollständiger Harriereinstieg
Bei einem Shockflyer können sie auch bei recht hoher Geschwindigkeit im Flächenflug das Höhenruder reinhauen und haben ihn innert Sekunden im Harrier. Bei der AJ-Extra dauert das je nach Fluggeschwindigkeit deutlich länger, da die Maschine erst abbremsen muss. Steuert man während diesem Abbremsen wie im normalen Harrier kippt sie ab.
Grund: Die Extra hat erheblich mehr Masse als ein Shockflyer und braucht deutlich länger, bis sie die Fahrtenergie abgebaut hat. Bremst man zu kurz ab, hat sich die Strömung an den Tragflächen noch nicht ganz abgelöst, mit den entsprechenden Folgen.
Reaktion: Beim Abkippen entweder aktiv und bestimmt in den Harrier steuern oder die Maschine Fahrt aufholen lassen und erneut zum Harrier ansetzen.
Verhindern: Hirn einschalten und die ersten paar Flugstunden beim Einleiten des Harriers sehr sorgfältig und überlegt vorgehen.
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Fabian Günther