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4 Der erste Flug
Im Folgenden möchte ich einen Vorschlag für die ersten Flüge mit der AJ-Extra machen. Die Idee hinter dieser Reihenfolge besteht darin, dass der Umsteiger die eingangs erwähnten 20 Prozent Unterschied häppchenweise und über einen möglichst langen Zeitraum erlernt.
Hilfe von Aussen
Wenn sie die Möglichkeit haben, dann nehmen sie für die ersten Flüge einen erfahrenen Piloten mit. Lassen sie ihn den ersten Flug und die erste Landung machen und schauen sie genau zu, wie er das anstellt.
Wenn sie dann fliegen dann hängen sie im Idealfall an seinem Lehrer-Schüler-System, falls ein solches System nicht vorhanden ist stellt sich ihr Lehrer hinter ihnen auf, gibt ihnen gezielte Hinweise ("Queranflug noch etwas länger..." "du bist noch zu hoch, mach noch ne Runde..." "etwas mehr Gas...") und lotst sie so sicher durch den Erstflug und die erste Landung. Ich habs (allerdings erst beim fünften Flug
) so gemacht und kanns nur wärmstens empfehlen. Schon rein die Anwesenheit eines erfahrenen Piloten beruhigt ungemein
.
Ruderausschläge und Schwerpunkt
Die Vorlieben sind hier ja von Pilot zu Pilot recht verschieden, für einen Shockflyer-Umsteiger, der bisher mit 0 Prozent Expo geflogen ist, sollten folgende werte für den Erstflug ganz gut sein:
Schwerpunkt 90mm hinter der Nasenleiste, gemessen am Tragflächen-Rumpf-übergang (die Fliton-Angabe ist problemlos fliegbar, aber ordentlich kopflastig).
Querruderausschlag 30 Grad, Expo 50 Prozent
Höhenruderausschlag 30 Grad, Expo 30 Prozent
Seitenruderausschlag 30 Grad, Expo 30 Prozent
Der Flugplatz
Suchen sie sich für die ersten Flugversuche eine grosse (10x70m im Minimum) Landepiste, die in 200m Umkreis im Idealfall hindernisfrei ist. Speziell in Verlängerung der Landebahn dürfen sich keine Hindernisse befinden. Montieren sie für die ersten Landungen das Standardfahrwerk, je nach Untergrund mit 45 oder 90mm-Rädern. Suchen sie sich einen Tag mit guter Sicht und wenig (max. 2m/s) Wind, wenn dann parallel zur Landebahn wehend, aus.Meine Landefläche für diese ersten Flüge, ca. 200x30m gross und gnadenlos holprig. Mit grossen Rädern und elastisch aufgehängtem Fahrwerk hat meine Extra aber auch dieses Landefeld überlebt (im Gegensatz zum Landefeld neben meinem Haus, siehe Wurfstart/Harrierlandung weiter unten).
Start
Stellen sie die AJ-Extra am Anfang der Landebahn auf, stellen sie sich direkt hinter das Modell und machen sie den Startcheck. Schieben sie dann gleichmässig und zügig (Zeit von Null auf Vollgas ca. 2 Sekunden) Vollgas rein, halten sie das Modell mit dem Seitenruder gerade und ziehen sie, sobald sich das Heck hebt, LEICHT am Höhenruder. Nehmen sie das Gas etwas zurück und steigen sie im 30 Grad-Winkel auf Sicherheitshöhe (mind. 50m) und vermeiden sie bis dahin enge Kurven (weniger als 10 Spannweiten Radius oder abrupte Steuerbewegungen.
Minimalfahrt
Fliegen sie in Sicherheitshöhe von einer Seite zur anderen geradeaus, halten sie die Höhe und reduzieren sie langsam das Gas. Das Modell wird langsamer und sie werden dabei recht deutlich den steigenden Anstellwinkel des Modells am Hängenden Heck erkennen. Zwischen 10 und 12 Grad Anstellwinkel reagiert das Querruder plötzlich schwächer und verzögert, zusätzlich tritt leichtes Pendeln um die Längsachse auf, wenige Meter danach reisst die Strömung ab und das Modell geht in einen Sackflug über. Gehen sie sobald das passiert vom Höhenruder, drehen sie das Gas auf, lassen sie die Maschine Fahrt aufnehmen und fangen sie sie dann ab. Steigen sie anschliessend erneut auf Sicherheitshöhe und wiederholen sie das Manöver, achten sie dieses Mal möglichst genau darauf, bei welcher Geschwindigkeit und welcher Gasstellung die Maschine abreisst und merken sie sich diese.
Rundflug
Fliegen sie jetzt mit der doppelten Abreissgeschwindigkeit (etwas mehr darfs gerne sein, weniger aber auf keinen Fall) durch die Gegend. Machen sie dabei die Kurven gross (mind. 15m Radius) und geben sie in der Kurve nur sehr wenig Seitenruder. Wenn das Heck des Modells etwas in die Kurve reinhängt ists ideal. Auch Kurven ganz ohne Seitenruder sind ok, das Modell schiebt dann zwar merklich, dieser Flugzustand ist aber unkritisch.
Platzüberflug
Fliegen sie jetzt ein grosses Oval vor sich, die hintere Gerade in 30m Höhe, den Geradenteil über der Landebahn als Platzüberflug in 5m Höhe, dazwischen entsprechend Steigen und Sinken. Behalten sie dabei immer mind. die doppelte Abreissgeschwindigkeit, und geben sie in den Kurven in Bodennähe kein Seitenruder mehr. Falls das Modell doch irgendwie schwammig oder kippelig werden sollte sind sie zu langsam, in dem Fall Gas rein und nach oben weg.
Landung
Fliegen sie nach dem gleichen Schema wie im Platzüberflug an, diesmal allerdings deutlich tiefer und flacher, so dass sie in 100m Entfernung von der Piste, in Verlängerung der Piste fliegend, noch etwa 10m Flughöhe haben. Nehmen sie jetzt das Gas soweit zurück, dass sie noch mit 1.5-Facher Minimalgeschwindigkeit fliegen (nicht langsamer, sobald das Querruder irgendwie weich wird sind sie zu langsam) peilen sie den Aufsetzpunkt an und fliegen sie auf diesen zu. Kurz über dem Boden fangen sie die Maschine gaaaaanz sanft ab und setzen auf.
Wenn sie zu wenig sanft abgefangen haben wird die Maschine etwas springen, das ist nicht weiter schlimm, sorgen sie aber sofort nach dem "Absprung" mit ganz wenig Tiefenruder dafür, dass sie nicht zu hoch springt.
Wenn das Modell auf dem Querruder weicht wird, beim Springen viel zu heftig springt oder sonst etwas dazwischen kommt: Schieben sie sofort das Gas rein, lassen sie das Modell horizontal beschleunigen, steigen sie dann weg und unternehmen sie einen neuen Landeversuch.
Wiederholungen
Wiederholen sie das Schema des ersten Fluges so oft, bis sie die Maschine ohne Probleme, zittrige Hände oder gefährliche Flugsituationen starten, fliegen und landen können.
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Fabian Günther