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3 Folgerungen
In diesem Kapitel möchte ich die Unterschiede aus dem letzten Kapitel zu konkreten und trotzdem allgemein anwendbaren Flugtipps verarbeiten.
1. Dimensionen beachten
Durch die höhere Masse, das bessere Gleiten, den teils heftigen Höhenverlust nach einem Strömungsabriss, die höhere Flächenbelastung sowie den grösseren minimalen Kreisradius und die längeren Strecke zum Wiederanlegen der Strömung ist bei der AJ-Extra alles um ein paar Faktoren grösser, für Shockflyerverhältnisse geradezu riesig:
| 80cm 150g-Shockflyer | 95cm 400g-Shockflyer | 130cm 1500g AJ-Extra | |
| Flächenbelastung | 10g/qdm | 20g/qdm | 40g/qdm |
| Mindestgeschwindigkeit Geradeausflug | 4m/s (1) | 6m/s (1) | 8m/s |
| Mindestgeschwindigkeit Kurvenflug enge Kurven | 4m/s (1) | 6m/s (1) | 8m/s (2) |
| Minimaler Kreisradius | (3) | (3) | 7m |
| Flugfeld 3D (4) | 10x15m | 15x30m | 40x70m |
| Flugfeld Training (5) | 30x60m | 50x100m | 100x200m |
| Flugfeld dynamisch (6) | 30x60m | 50x100m | 100x300m |
| Sicherheitshöhe | 10m | 20m | 50m |
Bemerkungen
(1) Geschwindigkeit bei c_a=1, Shockflyer können wegen dem fehlenden Strömungsabriss auch langsamer geflogen werden.
(2) Schätzwert. Die Fluggeschwindigkeit ist bei allen Modellkunstflugzeugen aufgrund ungünstiger Aerodynamik im Kurvenflug merklich höher als im Geradeausflug, da Shockflyer nicht abreissen merkt man das bei denen aber nicht.
(3) Durch den Fehlenden Strömungsabriss ist hier kein minimaler Kreisradius definierbar, Shockflyer kann man fast nach belieben um die Ecken jagen. Der Effektive minimale Kreisradius (begrenzt durch den max. dynamischen Auftrieb den der Shockflyerflügel liefern kann) liegt beim 95cm-Shockflyer bei ca. 1m.
(4) Bei dem man sich wirklich austoben kann. Im Prinzip kann man auch eine AJ-Extra auf 2x2m bewegen, mehr als Torquen ist dann aber nicht mehr drin
.
(5)
(6) Bei dem man sich wirklich austoben kann.
(7) Jep, mit allen "normalen" Modellkunstflugzeugen kann man im dynamischen Kunstflug riesengross fliegen, sofern sie die nötige Geschwindigkeit zu Stande bringen, um das Flugfenster innert nützlicher Frist zu durchfliegen.
2. Schnell genug fliegen
Mit dem 95cm-Shockflyer sind sie wahrscheinlich eher langsam geflogen (oft im Bereich zwischen 10 und 15 Grad Anstellwinkel), da ist die kinetische Energie der Maschine kleiner und die Schäden beim Aufschlag entsprechend geringer. Wegen dem fehlenden Strömungsabriss kann man mit dem 95cm-Shockflyer problemlos längere Zeit über 10-12 Grad Anstellwinkel fliegen, ohne davon überhaupt was zu merken, von dem her ist die Flugtaktik mit dem Langsamflug hier auch sinnvoll. Bei besagten 10-12 grad anstellwinkel steigt der Widerstand der Shockflyertragfläche stärker an, es bildet sich eine art "barriere", die nur noch mit merklich mehr gas zu überwinden ist. Diese Barriere ist recht angenehm, da man das modell durch spielen am Gasknüppel ohne grossen aufwand in dem Geschwindigkeitsbereich vor dieser Barriere halten kann.
Mit der AJ-Extra müssen sie im Zweifelsfall eher zu schnell fliegen, alles unter 1.5-Facher Minimalgeschwindigkeit wird hier kritisch. Der Strömungsabriss ist bei der AJ-Extra vorhanden und kann je nach Fluglage sehr heftig werden und mit ordentlich Höhenverlust verbunden sein. Reagieren sie dann beim Strömungsabriss falsch können sehr schnell gefährliche Situationen entstehen. Vermeiden sie daher unbedingt, in kritischen Situationen in die Nähe des Strömungsabrisses zu kommen und fliegen sie mit der AJ-Extra wie mit allen Modellen mit profilierten Tragflächen schnell genug. Eine "Barriere" wie beim Shockflyer gibt es bei der Aj-Extra nicht, wenn sie da aus gewohnheit im "Barriere"-Flugstil ihres shockflyers fliegen dann schmiert ihnenn die AJ-Extra nach wenigen sekunden ab.
3. Drohenden Strömungsabriss erkennen
Die AJ-Extra kündet den Strömungsabriss im Flächenflug "im Voraus" (d.h. bei einer Fluggeschwindigkeit, die noch merklich über der Abreissgeschwindigkeit liegt) durch folgendes Verhalten an:
Das Querruder reagiert verzögert.
Auf ein und denselben Querruderausschlag reagiert die Maschine mal mit heftigen, ein anderes Mal mit kaum spürbaren Reaktionen
Die Maschine pendelt leicht um die Längsachse.
Die Maschine ist um die Längsachse extrem böenempfindlich.
Im Kurvenflug erfolgt andauerndes schlagartiges zurückdrehen oder in-die-Kurve-drehen, welches aber oft bereits nach 10 Grad Drehung beendet ist.
Diese Symptome werden auch als "Weichwerden auf dem Querruder" bezeichnet. Die Querruderreaktionen entsprechen hier weitgehend denen im Harrier, einfach in abgeschwächter Form.
Tipps:
Erhöhen sie, wenn sie dieses Weichwerden bemerken das Gas bzw. den Sinkwinkel und lassen sie die Maschine Fahrt aufnehmen. Lassen sie dabei die Finger vom Querruder und kommen sie nicht auf die Idee, das Pendeln irgendwie aussteuern zu wollen.
Fliegen sie, nachdem sie sich an die Maschine gewöhnt haben, in Sicherheitshöhe einige Akkuladungen an der Grenze zu diesem "weichen" Bereich, um sich die Modellreaktionen genau einzuprägen. Während dieser übungen dürfen (und sollen!) sie auch im "weichen" Zustand das Querruder benutzen, um die Reaktionen des Modells zu verinnerlichen.
Bei Windstille erkennen auch Umsteiger das Weichwerden recht zuverlässig, speziell bei böigem Wind wird es dagegen schwierig, die Einflüsse des "Weichwerdens" von den Einflüssen der Böen zu unterscheiden. Fliegen sie daher ihre Abreisstrainings anfangs immer bei Windstille und fliegen sie bei Wind grundsätzlich etwas schneller, um keinen Strömungsabriss zu riskieren.
4. Kurven richtig aussteuern
Ohne Fahrwerksplatten gehört die AJ-Extra zum Kurventyp Standardauslegung, die Kurven benötigen kaum Seitenruder. Das Timing in langsamen Kurven ist recht anspruchsvoll, Steuerungenauigkeiten werden sofort mit Schieben bestraft. Die Abreisseigenschaften in den Kurven sind bei leichtem schieben noch halbwegs gutmütig, bei zu starkem Seitenrudereinsatz geht die AJ-Extra jedoch schlagartig über die kurveninnere Tragfläche weg.
Mit den Fahrwerksplatten gehört die AJ-Extra Kurventyp schiebende Auslegung, hier ist speziell in Langsamen Kurven analog zum Shockflyer ordentlich Seitenruder erforderlich. Timingfehler werden aber weiterhin mit sofortigem Schieben quittiert, auch der Abriss ist bei flachen Kurven weiterhin unangenehm.
Der 95cm-Shockflyer gehört dagegen zum Kurventyp schiebende Auslegung, gerade langsame Kurven benötigen ordentlich Seitenruder, Timingfehler bei den Steuerbefehlen werden gut abgedämpft. Bei zu starkem Seitenrudereinsatz erfolgt bei flachen kurven lediglich ein Abnicken die Kurve hinein (max. eine viertel Umdrehung).
Kurvenflugtechnik mit der AJ-Extra:
Beschleunigen sie, sofern sie nicht eh schon so schnell oder schneller fliegen, die AJ-Extra VOR der Kurve auf mind. doppelte Minimalgeschwindigkeit.
Geben sie Querruder und ziehen sie erst am Höhenruder wenn das Modell seine Schräglage schon fast erreicht hat
Die Kurvenfliegerei ist wahrscheinlich der grösste Unterschied zum Shockflyer, nehmen sie sich daher genügend Zeit für das Kurventraining, damit sie sich umgewöhnen können.
5. Seitenruder korrekt bedienen
Langsamflug: Wenn sie kurz vorm Strömungsabriss Seitenruder gibt kippt die AJ-Extra schlagartig über den kurveninneren Flügel ab gerät z.T. bereits ins Trudeln. Das ist von der Auslegung her so gewollt, da man das Trudeln direkt nach dem Strömungsabriss durch Seitenrudergabe einleiten können soll. Im Langsamflug (vor allem im Landeanflug) gilt daher: Vorsicht mit dem Seitenruder!
Ausschlag: Auf Seite schwingt die AJ-Extra z.T. deutlich über, steuern sie daher das Seitenruder weich und bewegen sie den Seitenruderknüppel nicht zu schnell.
6. Aufschwingen verhindern
Wegen der geringeren Dämpfung können sie die AJ-Extra im Flächenflug und Speziell im 3D-Flug mit zu heftigen Ruderausschlägen übelst aus der (Flug)Bahn werfen. Bei zu heftigen Ruderkommandos schwingt die Extra gerade um die Hochachse gerne nach, wenn sie beim Aussteuern dieses Nachschwingens Pech haben erwischen sie die Resonanzfrequenz, die Maschine schwingt sich immer weiter auf, im 3D-Flug setzt zusätzlich die Wende-Roll-Kopplung ein und die Maschine fällt ihnen vom Himmel.
Um diese Resonanzen zu vermeiden müssen sie mit ihren Steuerimpulsen immer unterhalb der Resonanzfrequenz bleiben, daher:
Steuern sie anfangs alle Funktionen mit Bedacht und steuern sie immer einen Hauch langsamer, als sie es eigentlich für richtig halten. Dann passt das
.
7. Weich Landen
Landen mit der AJ-Extra bedeutet anfangs riesengrosses Anfliegen mit ordentlich überfahrt, langsamem Sinken und Aufsetzen auf einer grossen Piste. Jegliche Landungen auf engem Gebiet mit Minimalfahrt sind anfangs tabu.
8. Extremsituationen Trainieren
Extremsituationen treten vor allem beim Strömungsabriss und beim (misslingenden) Wiederanlegen der Strömung auf. Trainieren sie diese Situationen und die richtigen Reaktionen ausgiebig in Sicherheitshöhe, so reagieren sie dann instinktiv richtig, wenns in Bodennähe mal brenzlig wird.
9. Strömungsabrisse im Hinterkopf behalten
Beim Erfliegen der Abreisseigenschaften werden sie mit dem Strömungsabriss verhältnismässig schnell klarkommen und auch bereits nach kurzer Zeit richtig reagieren. Beim anschliessenden Figuren- und Flugprogrammtraining werden sie sich dagegen automatisch auf die Figuren konzentrieren und den Strömungsabriss vergessen. Fliegen sie dann im Figurentraining zu langsam und die Maschine reisst ihnen ab, dann fällt ihnen anfangs das Herz in die Hose und sie brauchen im Extremfall einige Sekunden, bis sie die Maschine wieder im Griff haben. Bis sie den Strömungsabriss auch im Programmflug sicher und intuitiv beherrschen dauert es seine Zeit, und bis dahin sollten sie den Programmflug nur in Sicherheitshöhe fliegen.
10. Auch nach der Landung Sorge tragen
Das Handling mit der AJ-Extra ist letztendlich reine übungssache, ihr erstes derartiges Modell muss dafür als übungsobjekt herhalten wird nach einigen Flugstunden nicht mehr sonderlich schön aussehen. Transportkiste für Modellflugzeuge und -taschen sind für solche Modelle wärmstens zu empfehlen. Beim Manövrieren in engen Räumen empfehle ich Zeitlupentempo, so nimmt das Modell auch bei einer Kollision kaum Schaden.
Zum Tragen stelle ich mich vor die AJ-Extra, greife sie links und rechts vom Rumpf am Tragflächenansatz an der Nasenleiste, drehe sie mit dem heck nach oben und lehne die Kabinenhaube an meinen Oberkörper. Wenn ich sie etwas schräg halte kann ich mit der anderen hand z.B. eine Tür öffnen, beim Manövrieren im Haus ist die Gefahr des Anstossens relativ klein weil das Heck nicht allzu weit über meinen Kopf ragt und ich ansonsten das ganze Modell immer im Blickfeld habe.
Das Greifen an der Rumpfunterseite kann ich nicht empfehlen, da sich hier auf dauer Druckstellen auf dem leichten Balsa-Foliengerüst bilden.
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Fabian Günther