
2 Allgemeines
2.1 Augenmass
Messen sie wann immer möglich und bauen sie nicht nach Augenmass. Gerade beim Abschätzen von Winkeln oder Symmetrie bauen sie beim Augenmass andauernd massive Ungenauigkeiten und Fehler ein, welche dann Folgefehler nach sich ziehen und schliesslich das ganze Modell krumm werden lassen. Weiter kommt dazu, dass die "Augenprobe" gerade bei Winkeln andauernd andere Resultate gibt, bei jedem Durchlauf ist das einzubauende Teil irgendwie anders schief und man wird regelrecht paranoid.
In einem Spezialfall funktioniert das Augenmass hingegen hervorragend, und zwar wenn man Beurteilen muss ob drei oder mehr Punkte auf einer linie liegen: Hierbei gilt es folgendes zu beachten:
Peilen sie nur mit einem Auge, bevorzugt mit dem sehstärkeren. Beim Peilen mit beiden Augen funkt ihnen die 3D-Sicht rein, wenn sie da ein Auge auch nur minimal zukneifen verschiebt sich plötzlich alles und die Sache wird so ungenau dass sie das Peilen auch gleich lassen können.
Bauen sie sich bei Bedarf z.B. aus Karton "Visiere" und Zielhilfen, um die Peilerei zu vereinfachen.
2.2 Hebel ausnutzen
Nutzen sie die Hebelgesetze zu ihren Gunsten aus. Ein 40cm-Hebel lässt sich bis auf wenige Zehntelgrad genau Positionieren, bei einem 2cm-Hebel bekommen sie locker Ungenauigkeiten von mehreren Grad rein. Achten sie daher darauf, nach Möglichkeit möglichst lange Hebel zu verwenden, wenn ein Hebel (z.B. eine Radachse) zu kurz ist dann verlängern sie ihn provisorisch. Wenn sie kleine Teile im richtigen Winkel positionieren müssen (z.B. das Seitenruderhorn an der Unterkante des Seitenruders), dann verlängern sie diese Teile mit einem aufgeklebten Papphebel, den sie nach der Montage der Teile wieder entfernen.
2.3 Bauhilfen
Verzapfen
Gerade bei geometrisch aufwändigeren Konstruktionen, bei denen Sperrholz beteiligt ist macht es Sinn, die Bauteile ineinander zu verzapfen. Das erhöht die Stabilität und vor allem erleichtert es das Ausrichten massiv und verhindert ein schiefes Zusammenbauen. Wenn man viele Teile auf einmal zusammenkleben muss (weils stückweise aus Geometriegründen nicht geht) ist die Verzapfung meist die einzige Möglichkeit, das Bauteil gerade hinzubekommen.
Hilfsleisten
Als Alternative zum Verzapfen kann man auf den Bauteilen Hilfsleisten aus leichtem Material (Balsa, Depron) montieren, an denen man die zu klebenden Teile dann exakt Positionieren kann. Bei Bedarf kann man diese Hilfsleisten nach dem Trocknen der Verklebung wieder herausbrechen.
Baubrett
Eine ebene Unterlage (Balsa, Spanplatte) die so weich ist dass man die Bauteile darauf mit Stecknadeln fixieren kann. Das Baubrett gehört zur Grundausrüstung bei Holzmodellbauern.
Negativschalen
Werden beim Tragflächenbau in Rippenbauweise eingesetzt, wenn das Profil keine gerade Unterseite hat. Aus Styropor werden die Negativschalen der Tragfläche geschnitten, mit diesen Schalen als Baubrett kann man dann die Holz-Tragfläche aufbauen.
Füsschen
...helfen immer, wenn man eine gebogene Kante auf einem ebenen Baubrett Positionieren Muss (Rippen, Rumpfspanten etc.). Diese Füsschen sind beim Übergang zum eigentlichen Bauteil schon eingesägt, so dass man sie nach dem Bau einfach wegbrechen kann.
2.4 Tipps zum Bau
Bezugspunkte/Linien
Bezugspunkte und Bezugslinien helfen, beim Bauen den Überblick zu behalten. Sie Bilden die Grundlage für die korrekte Position der einzelnen Bauteile zueinander. Kandidaten für solche Punkte/Linien sind:
Die Rumpfmittellinie
Die 1/4-Linie bei Tragflächen und HLW
Die Mittellinie der Steckungsrohre
Die Ruderachsen
Die Servoachsen/Einbaupunkte der Servos
Die Muttern für Fahrwerks- und Tragflächenschrauben
Die Motorachse (ohne Sturz und Zug)
Ich empfehle wärmstens, diese Punkte und Linien auf den jeweiligen Bauteilen zu Markieren, das ermöglicht auch in Späteren Bauphasen eine schnelle Sichtkontrolle.
Zeichnungen auf Papier
Ich mache Bauteilzeichnung fast immer auf Papier und übertrage die wichtigen Punkte anschliessend, z.B. mittels Durchstechen mit dem Zirkel, auf das Bauteil. Beim Zeichnen auf Papier habe ich genügend Platz, keine störenden Materialkanten und kann nach Belieben Linien wegradieren und neue setzen.
Nur dort genau arbeiten wo es auch nötig ist
Genaues arbeiten kostet extrem viel zeit, deshalb sollten arbeite ich nur da genau wos auch nötig ist. Innenkanten von Spanten, die keine weitere Funktion mehr erfüllen müssen, säge ich z.B. nur mit der Laubsäge aus und breche bei bedarf die Kanten, jegliches herausschleifen von Buckeln oder Dellen lasse ich jedoch bleiben.
PS: Diese regel gilt natürlich nicht für Leute mit hohen Ansprüchen an die Optik oder für leute die einfach gerne bauen. Die können natürlich soviel Schleifen und verschönern wie sie wollen
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Haltepunkte
Versehen sie ein Bauteil, welches sie komplett lackieren/spachteln mit ausreichend dimensionierten Haltepunkten, an denen sie das Bauteil gut zugänglich und bei Bedarf drehbar aufhängen können.
Aufhören wenn nötig
Der wichtigste Punkt beim genauen Arbeiten. Nach einer gewissen Zeit sinkt die Konzentration immer weiter ab, es passieren Fehler und die Arbeit wird ungenau. Wie lange ein Modellbauer durchhält ist von Mensch zu Mensch verschieden, mit zunehmender Übung geht das auch immer länger, aber irgendwann kommt immer der Punkt wos bergab geht.
Das aufhören an diesem Punkt ist nicht ganz einfach ("Aber ich bin doch gerade so gut dabei..." "In ner halben Stunde bin ich doch eh fertig...") aber wenn man genau arbeiten will(muss) dann bleibt einem nichts anderes übrig.
2.5 Fehlerverkettungen vermeiden
Bei jeder Messung die wir machen machen wir einen Messfehler. Man kann den mit entsprechendem Aufwand klein halten (z.B. mit Ausnützen des Hebelgesetzes), aber ganz weg bringt man ihn nicht. Diese Messfehler summieren sich auf, wenn mans geschikt anstellt kann man dafür sorgen, dass diese Summe sehr klein bleibt. Zwei Beispiele:
Der Klassiker: Sie müssen während einem Meter alle 5cm einen Strich auf eine Holzplatte machen. Ihr Messfehler beträgt dabei pro Messung +-0.5mm. Wenn sie jetzt das 1m-Lineal ansetzen und alle 5cm, 10cm, 15cm usw. einen Strich machen dann haben sie bei 100cm die erwähnten +-0.5mm Messfehler. Wenn sie jedoch 5cm abmessen, das Lineal dan weiterziehen und vom gemachten Strich aus die nächsten 5cm Abmessen, dann haben sie bei 100cm im dümmsten Fall bereits 20*0.5 = 10mm Abweichung.
Parallelität von Tragflächen und Höhenleitwerk. Variante 1: Alles separat aufbauen und am Schluss zusammenstecken. Steckungsrohrposition auf dem Steckungsspant anzeichnen +-0.5 Grad Abweichung, Stekungsrohrhülse auf dem Spant verkleben +-0.5mm, Steckungsrhohrhülsen in den Tragflächen verkleben +-0.25 Grad, Steckungsspant im Rumpf verkleben +-0.25 Grad, Verdrehung des Rumpfes +-1 Grad, HR-Steckungsrohrposition auf dem Steckungsspant anzeichnen +-0.5 Grad, HR-Stekungsrohrhülse auf dem Spant verkleben +-0.5mm, Steckungsrhohrhülsen im HR verkleben +-0.25 Grad, HR-Steckungsspant im Rumpf verkleben +-0.25 Grad. Ergibt zusammen 0.5 + 0.5 + 0.25 + 0.25 + 1 + 0.5 + 0.5 + 0.25 + 0.25 = 4 Grad. Variante 2: Rumpf und Tragflächen/HLW fertig einbauen, zusammenstecken, auf geradem Tisch einmessen und dann Steckungsrohrhülsen verkleben. Tragflächen auf der ebenen Unterlage ausrichten +-0.1 Grad, HLW auf der ebenen Unterlage ausrichten: +-0.25 Grad, Verdrehung der Unterlage +-0.1 Grad Ergibt zusammen 0.1+ 0.25 + 0.1 + 0.45 Grad.
2.6 Tipps zur Arbeitsumgebung
1. Arbeitsunterlage
Die Arbeitsunterlage sollte möglichst wenig durchhängen oder sich anderweitig verbiegen und sie muss gerade sein (Wasserwaage). Das Material der Unterlage sollte einigermassen hart sein (Spanplatte, hartes Sperrholz, Alu, o.Ä.) und sie sollte zwischen 70-100cm hoch sein (Tisch) und nicht wackeln. Die Unterlage muss ausserdem gross genug sein, damit man mit dem Modell nicht andauernd irgendwo anstösst. Wenn es der Platz zulässt ist es sehr sinnvoll mehrere Arbeitsunterlagen zu haben (z.B. eine grossen Tisch für die Montage und einen/mehrere Wandtische fürs Sägen/Bohren/Murksen
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2. Beleuchtung
Die Arbeitsflächen müssen hell (aber auch nicht zu hell, sonst ermüden die Augen) und gleichmässig beleuchtet sein (Neonröhren mit kalt- bis mittelwarmem Licht). Wo nötig sorgen Schreibtischlampen für zusätzliches Licht (z.B. bei der Ständerbohrmaschine).
3. Genaue und qualitativ hochwertige Messgeräte
Grundausstattung: Stahllineale 50,100cm, Geo-Dreieck, Zirkel, Schieblehre, Aluschiene 2m.
Wie lange ein Millimeter in ihrer Werkstatt letztendlich ist ist eigentlich egal. Er muss nur auf allen Messgeräten gleichlang sein. Meine 3 Masstäbe (30,50,100cm) weichen da auf 1 Meter hochgerechnet um 2mm voneinander ab, daher benutze ich nur einen zum messen und die Anderen nur als Messerführung oder zum Zeichnen von geraden Linien.
4. Ordnung und Sauberkeit
Der Arbeitsraum muss sauber und trocken und das Material immer Griffbereit sein. Wie ordentlich die Werkstatt sein muss hängt sehr stark vom Modellbauer ab, manche arbeiten im totalen Chaos wunderbar, andere Brauchen penible Ordnung um halbwegs genau arbeiten zu können.
Bei mir hat jedes Werkzeug seinen festen Platz, beim Material siehts noch etwas weniger rosig aus, aber auch hier versuche ich den Anteil an "Gerümpel-Sammel-Weisnichtwaskisten" möglichst klein zu halten
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Fabian Günther